Trautzke-Seen und Moore – Teil 10: Ein Moor in voller Blüte

Frühling und Frühsommer – das ist für botanische Entdeckungen eine herrliche Zeit! So auch in den Trautzke-Mooren: Insbesondere Trautzke-3 ist übervoll mit wunderschöner Moorvegetation, darunter auch seltene und unter Naturschutz stehende Pflanzen.

Im Naturschutzgebiet Trautzke-Seen und Moore, zwischen dem ehemaligen Kleinen und Großen Drauzen, liegt eine Moorstelle, welche ich Trautzke-3 genannt habe (lies mehr dazu in den Beiträgen Trautzke-Seen und Moore – Teil 3: Mirjam´s topographische Nomenklatur, Trautzke-Seen und Moore – Teil 2: Geschichte und Etymologie, Trautzke-Seen und Moore – Teil 1: Lage und Geomorphologie).

Trotz des sehr heißen, ja schwülen und dunstigen Tages leuchtet uns schon vom nördlichen Rand des Moors erfrischend glänzendes Grün entgegen – dieser Einladung zu einer Rast auf dem feucht-kühlen Erdboden am Rande von Trautzke-3 können die Hunde und ich natürlich nicht widerstehen.

Was ich im Monat zuvor anhand der (noch jungen) Blattrosetten als Beinwell ansah, entpuppt sich nunmehr – hoch aufgewachsen und blühend – als Fingerhut! Digitalis purpurea (Roter Fingerhut) – GIFTIG, aber wunderschön anzuschauen:-)

Trautzke-3: Roter Fingerhut (Digitalis purpurea), Juni 2021

Unter den purpurfarbenen Fingerhüten fand ich auch weiß-gelbe Varianten – dabei könnte es sich evtl. um Gelben Fingerhut (Digitalis lutea) oder Großblütigen Fingerhut (Digitalis grandiflora) handeln. Beide Arten stehen laut Bundesartenschutzverordnung unter Naturschutz (siehe BArtSchV).

„Die Mythologie des Nordens berichtet, dass Elfen die Blüten von Fingerhüten aufsetzen, wenn sie im Mondschein tanzen“ (Kosmos-Pflanzen 2020, 64).
Die Gattung Fingerhut (Digitalis) zählt nach neueren molekularbiologischen Erkenntnissen zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). „Die neue phylogenetische Klassifizierung hat diese Familie beträchtlich vergrößert. In unseren Regionen beinhaltete sie vorher nahezu allein die Wegeriche. Aber jetzt ist sie um mehrere wichtige Gattungen reicher, wie Ehrenpreis, Leinkräuter, Fingerhüte – früher ein Teil der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae)“ (Fragnière et al. 20202, 261).
Die Wegerichgewächse sind eine überaus vielgestaltige Pflanzengruppe, die etwa 95 Gattungen mit rund 1900 Arten umfasst. „Sie sind weltweit in allen Klimazonen beheimatet. In der mitteleuropäischen Flora gibt es knapp 20 Gattungen mit etwa 75 Arten“ (Lüder 2018, 659).

Trautzke-3: Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) – Blüten, Juni 2021

„Der Rote Fingerhut wächst in Europa vor allem in Gebirgslagen auf Waldwiesen und Lichtungen. Auch in Gärten ist er als Zierpflanze beliebt. Für die Drogengewinnung wird er in Feldkulturen angebaut. […] Die Droge enthält wichtige Kardioglykoside. Das gesamte Material wird in der pharmazeutischen Industrie zu wichtigen Medikamenten für die Behandlung von Herzleiden verarbeitet. Die Medikamente darf nur der Arzt verschreiben. Sie kommen bei Versagen der Herztätigkeit, zur Dämpfung des Pulsschlags, beim Ausgleich unregelmäßiger und nicht ausreichender Herztätigkeit und bei Herzhypertrophie zum Einsatz“ (Naturapotheke 1983, 133).

Digitalis purpurea (Roter Fingerhut)
[Quelle: Thomé 1885, 123/501]

Im Altertum war der Fingerhut unbekannt. „Er soll zuerst im 5. Jahrhundert in Irland heilkundlich genutzt worden sein. Man nannte die Pflanze damals ‚Frairie´s Herb‘ und versuchte mit ihr ‚verhexte‘ Kinder zu heilen, was oft tödlich endete. Seit dem 11. Jahrhundert wurde der Fingerhut in England angewandt und fand 1650 Eingang in die Londoner Pharmakopöe. Man gebrauchte die Pflanze damals zur Behandlung von Geschwüren. Leonhard Fuchs und Hieronymus Bock erwähnten den Fingerhut als Brech- und Abführmittel. Diese Wirkungen beruhten auf Vergiftungen und es kam auch zu Todesfällen. Der Fingerhut geriet dadurch als Droge in Verruf. Im Jahre 1786 entdeckte der Schotte William Withering die richtige Dosierung sowie die herzstärkende Wirkung der Pflanze, nachdem er sie zuerst bei Wassersucht verwendete. Seinen Siegeszug begann der Rote Fingerhut, nachdem es gelang die wirksamen Digitalisglycoside zu isolieren“ (Botanicus.de).

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) – Blüten mit Blüten-/Saftmalen, Juni 2021

„Die Blütenmale beim Fingerhut weisen den Insekten den Weg zum Nektar und täuschen gleichzeitig ein größeres Pollenangebot vor. Hummeln bieten die Blüten Regenschutz und einen Schlafplatz. Kleineren Insekten wird der Eingang durch hochstehende Sperrhaare verwehrt“ (Lüder 2018, 660).

Zwar fand ich keine Hummel, dafür aber einen Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta) auf einer Digitalis-Blüte! Dieses Mitglied der Skarabäiden kommt an sonnigen Waldrändern und auf blütenreichen Wiesen vor, ist jedoch in Deutschland sehr selten, hingegen im Mittelmeergebiet ziemlich häufig (vgl. Kosmos-Insekten 2018, 178). Ein Zeichen der wärmeren Temperaturen aufgrund des Klimawandels? Immerhin können wir an vielen Insekten beobachten, dass immer mehr mediterrane Arten bei uns heimisch werden.

Trautzke-3: Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta) auf Fingerhut-Blüte, Juni 2021

GIFTIG wie der Fingerhut ist auch die Sumpfkalla (Calla palustris), eine typische Moorpflanze, die streng GESCHÜTZT ist (vgl. BArtSchV) und auf der ROTEN LISTE in Kategorie 3 (= gefährdet) geführt wird (vgl. Rote Liste). „Der Name Calla leitet sich von griech. kallos = Schönheit ab und bezieht sich auf das auffällige, weiße Hochblatt, das direkt unter dem Blütenkolben sitzt“ (Kosmos-Pflanzen 2020, 284). Sie wird auch Schlangen- oder Drachenwurz genannt, denn wenn die Moorgewässer im heißen Sommer versiegen, „dann liegen die grünen Wurzelstöcke der Pflanzen wie Schlangen über- und nebeneinander auf dem weichen Moorschlamm. Das Bild erinnert an Schlangen, die die warme Frühlingssonne aus der Winterherberge hervorgelockt hat und die nun ähnlich wie die Wurzelstöcke der Drachenwurz sich gelagert haben“ (Mahler 1958, 24).

Trautzke-3: Schlangen-/Drachenwurz bzw. Sumpfkalla (Calla palustris), Juni 2021
Calla palustris (Schlangen-/Drachenwurz bzw. Sumpfkalla)
[Quelle: Thomé 1885, 21/42]

Im antiquarisch erstandenen Buch „Moore in der Landschaft“ wird die Sumpfkalla „Schweinsohr“ genannt (Succow & Jeschke 19902, 80-82), wobei mir nicht klar ist, ob sich dieser Name auf die besondere Form des weißen Hüllblattes oder auf die Größe der grünen Blätter bezieht.
Es könnte aber auch einen ganz anderen Grund für die Bezeichnung „Schweinsohr“ geben: „Der schlangenförmige Wurzelstock, der für den zweiten deutschen Namen der Pflanze (Schlangenwurz) verantwortlich ist, enthält Stärke. Früher verfütterte man ihn an Schweine“ (Kosmos-Pflanzen 2020, 284).

Trautzke-3: „Schweinsohr“ bzw. Sumpfkalla (Calla palustris), Juni 2021

„Die Pflanze überdauert mit einem langen, käftigen Wurzelstock. In 2 Zeilen treiben von hier die Blätter aus. Sie haben lange Stiele und stehen aufrecht. Die lederartige Beschaffenheit und die rundliche oder herzförmige Anlage der Blätter sind gute Kennzeichen. Wenn die Pflanze in der Zeit von Mai bis Juli blüht, ist sie nicht zu verwechseln, nur wird man sehr an den Aronstab (Arum macultatum) erinnert, mit dem sie auch tatsächlich nahe verwandt ist. Beide gehören in die Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Typisch ist der etwa 2 cm lange Blütenkolben, der unten Zwitterblüten und an der Spitze männliche Blüten trägt. Der Kolben wird seinerseits umstanden von einer weißlichen Scheide. Beim Aronstab umschließt diese Scheide den Kolben in Form einer Tüte, bei der Drachenwurz wird der Kolben nicht eingeschlossen“ (Pott 1985, 60).

Ganz besondere Freude bereiten mir die mystisch anmutenden dunkelroten bzw. dunkelpurpurnen Blüten der Sumpf-Blutaugen (Potentilla palustris), deren typische Stängelblätter mir ja schon im Mai aufgefallen waren (siehe Trautzke-Seen und Moore – Teil 6: Trautzke-3). Die Bezeichnung palustris kommt aus dem Lateinischen: palus = Sumpf, Pfuhl; paluster/palustris = sumpfig. „Der wissenschaftliche Name Potentilla leitet sich von der Heilkraft einiger Arten ab (‚potentia‘ = ‚Kraft‘)“ (Lüder 2018, 361). „Wie Blutaugen schauen die Pflanzen aus dem Sumpf hervor. Die Pflanze heißt daher Sumpfblutauge“ (Mahler 1958, 31).

Trautzke-3: Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris), Juni 2021

Das nur in Mooren verbreitete Sumpf-Blutauge wird zwar auf der ROTEN LISTE noch als ungefährdet eingestuft, steht jedoch auf der Vorwarnliste (vgl. Rote Liste). Es ist „eine Staude aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). […] Die Pflanze ist mit einer verholzten, bis zu 1 m langen Grundachse im Boden verankert. Während die hinteren Teile des Wurzelstocks absterben, wächst er vorne weiter, bewurzelt sich in Abständen und bildet Triebe aus. Einige der Triebe tragen nur Blätter, andere tragen die Blütenstände. Die Blätter sind fünf- oder siebenzählig gefiedert. […] Die Blüten öffnen sich im Juni/Juli. Sie stehen zu Trugdolden gehäuft. Auffällig sind die trüb purpurfarbenen Kelchblätter. Kaum halb so lang sind die dunkelroten Kronblätter. Bei dieser Pflanze übernimmt also vor allem der Kelch die Anlockung von Insekten“ (Pott 1985, 34).

Trautzke-3: Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris), Juni 2021

Fingerkräuter „sind eng mit den Erdbeeren (Fragaria) verwandt, und die Abgrenzung dieser beiden Gattungen wird unterschiedlich gehandhabt. Dazu kommt, dass es auch Mischformen (Bastarde) dieser beiden Gattungen gibt. Einige Fingerkräuter werden den Gattungen Comarum, Dasiphora und Drymocallis zugeordnet“ (Lüder 2018, 361). Früher trug das Sumpf-Blutauge den botanischen Namen Comarum palustre.

Comarum palustre = Potentilla palustris (Sumpf-Blutauge)
[Quelle: Thomé 1885, 105/209]

Ebenso üppig wie Sumpfkallas und Sumpf-Blutaugen sind in Trautzke-3 Pflanzen mit leuchtend-gelben, dicht-traubigen Blütenköpfchen im unteren Stängelbereich: Straußblütiger Gilbweiderich (Lysimachia thyrsiflora).

Trautzke-3: Straußblütiger Gilbweiderich (Lysimachia thyrsiflora), Juni 2021

Trotz der Strauß-Gilbweiderich-Teppiche (zumindest hier in Trautzke-3) dürfen wir nicht vergessen, dass diese Pflanze auf der ROTEN LISTE mit Gefährdungsstufe 3 kategorisiert, d.h. generell selten ist (vgl. Rote Liste).

Sind Euch auf manchen Fotos vielleicht die gehäuft vorkommenden kreisförmigen, gekerbten Blätter in glänzendem Dunkelgrün aufgefallen?!? Interessanterweise sitzen deren Stängel nicht am Rande, sondern in der Mitte der runden Blätter, weshalb diese Pflanze den Namen Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris, d.h. Gewöhnlicher Wassernabel) erhalten hat.

„Je nach Standort kann der Stiel unterschiedlich kräftig ausgebildet sein. Wächst der Wassernabel auf trockenem Untergrund, dann ist der Blattstiel kurz, dick und fest; er muß ja nun die Pflanze in der Luft halten. Wächst der Wassernabel im flachen Wasser, dann ist der Blattstiel länger, dünner und biegsam; jetzt trägt das umgebende Medium Wasser das Blatt“ (Pott 1985, 40).
Die weißen Blüten des Wassernabels sind winzig (etwa 1 mm breit) und stehen in kurz gestielten Dolden bzw. Quirlen, bei denen aber jeweils nur 3-5 Blüten zusammengefasst sind (blüht erst im Juli/August). Die Pflanze ist GIFTIG, gilt laut ROTER LISTE bei mäßiger Bestandsabnahme als ungefährdet (vgl. Rote Liste), kommt aber nichtsdestotrotz ziemlich selten – eben nur in Mooren und auf Sumpfwiesen – vor (vgl. BLV 2015, 368).

Hydrocotyle vulgaris (Gemeiner Wassernabel)
[Quelle: Thomé 1885, 102/365]

Noch eine weitere kleinblütige, aber höher als der Wassernabel wachsende Pflanze schmückt die Schwingrasenfläche von Trautzke-3: Weidenröschen (Epilobium sp.) aus der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). „Ihren Namen verdankt diese Familie den Arten, die, wie beispielsweise die Nachtkerze (Gattung Oenothera), ihre Blüten erst abends öffnen“ (Lüder 2018, 459).

Trautzke-3: Weidenröschen (Epilobium sp.), Juni 2021

Ob es sich um Kleinblütiges (Epilobium parviflorum) oder Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre) handelt, muss ich erst noch genau erforschen … beide Arten kommen an Feuchtstellen vor, haben runde Stängel und schmal lanzettliche, schwach gezähnte Blätter, die „im unteren Teil des Stängels gegenständig, im oberen wechselständig“ (Kammer 2016, 199f.) angeordnet sind. Die Blütenblätter beider Weidenröschen sind rosa bis hellviolett, etwa 3-6/7 mm lang und eingeschnitten, die Früchte haben die Form von langen dünnen, nach oben stehenden Kapseln, worauf auch der botanische Name hinweist: epi, griech. = auf, aufrecht, lobium, lat. = kleine Hülse, Schote (vgl. Kammer 2016, 199f.).

Auch die Gräser blühen – beispielsweise tragen die Binsen (Juncus sp.), welche Trautzke-3 überziehen, frische Blütenstände, die echt putzig wirken.

Binsenbult mit Blüten (Juncus sp.), Juni 2021

Ein besonderes Faszinosum ist für mich, dass viele Spinnen wieder begonnen haben, ihre Gespinstsäcke an Halmen und deren alten Samenständen zu bauen – die dabei entstehenden Konstrukte sind überaus raffiniert und wunderschön. Über Spinnen erscheint demnächst eine eigene Blogpost-Serie …

Und die Doggies …?!?
Als alte Artenschutz-„Hasen“ wissen Speedy und Chekotee aus Erfahrung, was Sache ist, wenn ich meine botanischen Forschungen anstelle, nämlich sich ein feines Plätzchen suchen und chillen, noch dazu sind sie bei solch großer Hitze sowieso froh, wenn sie im kühlen Gras liegen können und nichts tun brauchen, außer dösen und evtl. mal ein wenig gucken und wittern;-)

Trautzke-3: Chekotee chilling – Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris), Juni 2021

Quellen:
Fagnière, Y. et al. (20202). Botanische Grundkenntnisse auf einen Blick. 40 mitteleuropäische Pflanzenfamilien. Bern. Haupt.
Der illustrierte BLV-Pflanzenführer für unterwegs (2015). München. BLV.
Kammer, P.M. (2016). Pflanzen einfach bestimmen. Schritt für Schritt einheimische Arten kennenlernen. Bern. Haupt.
Der Kosmos-Insektenführer (2018). Stuttgart. Franck-Kosmos.
Der Kosmos-Pflanzenführer (2020). Stuttgart. Franck-Kosmos.
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.
Mahler, H. (1958). Pflanzen unserer Moore. Bremerhaven. Ditzen & Co.
Naturapotheke: Schwester Bernardines große Naturapotheke (1983). München. Mosaik.
Pott, E. (1985). Moor und Heide. Pflanzen und Tiere nach Farbfotos bestimmen. München. BLV.
Succow, M. & Jeschke, L. ( 19902). Moore in der Landschaft. Entstehung, Haushalt, Lebewelt, Verbreitung. Nutzung und Erhaltung der Moore. Leipzig. Urania.

Internetquellen:
BArtSchV: Bundesartenschutzverordnung (zuletzt aufgerufen am 19.06.2021)
Botanicus.de: http://www.botanicus.de > Informatives > Giftpflanzen > Alle Giftpflanzen > Fingerhut (zuletzt aufgerufen am 19.06.2021)
Rote Liste: Download über die Website des Bundesamts für Naturschutz (BfN) möglich (zuletzt aufgerufen am 19.06.2021)
Thomé, O. W. (1885). Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz:
– Calla palustris:
https:// commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Calla_palustri0.jpg (zuletzt aufgerufen am 18.06.2021)
– Comarum palustre (= Potentilla palustris):
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Comarum_palustre0.jpg (zuletzt aufgerufen am 18.06.2021)
– Digitalis purpurea: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Digitalis_purpurea0.jpg (zuletzt aufgerufen am 18.06.2021)
– Hydrocotyle vulgaris:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Hydrocotyle_vulgaris0.jpg (zuletzt aufgerufen am 18.06.2021)

Manche sammeln Briefmarken – ich sammle Wolfspoopie …

Nu, tatsächlich sammle ich die gefundenen Wolfslosungen nicht ein (außer zur Nahrungsbestimmung oder es handelt sich um eine besonders frische Losung, die sich zur DNA-Analyse eignet). Die meiste Zeit geht es um Protokollieren, also Verorten, Vermessen und Fotografieren von Wolfslosungen. Und die Doggies helfen mir dabei:-)

So schön und faszinierend es auch ist, Wolfsfährten zu verfolgen, so wenig Gelegenheit bietet sich hierorts, wo es fast ausschließlich dicht mit Nadeln und Laub überzogene Waldwege gibt. Natürlich haben wir hier im und um das Schlaubetal auch sandige bzw. erdige Wegstellen, wo Pfotenabdrücke deutlich zu erkennen sind und einige Zeit sichtbar bleiben, doch häufig entpuppen sich diese Strecken als nicht lang genug, um 50 oder gar 100 Meter geschnürten Trab zu dokumentieren. Nur wenn es im Winter viel Schnee gibt, lohnt sich die Spurensuche!

Parallellaufen zweier Wölfe im geschnürten Trab - Reicherskreuzer Heide, Februar 2019

Parallellaufen zweier Wölfe im geschnürten Trab – Reicherskreuzer Heide, Februar 2019

Da die heutigen Winter hier nicht besonders schneereich sind und ich – egal zu welcher Jahreszeit – sowieso nicht überall zur gleichen Zeit sein kann, verlegte ich mich eben auf Losungen.
Was sehr spannend ist … weil diese Monitoringdaten – wie Fährten, Sichtmeldungen oder Besenderung von Wölfen etc. – wichtige Informationen über „unsere“ Wölfe, deren Familien, Reviere, Wanderungen und Nahrung liefern. Jedes Wolfspoopie ist somit ein wichtiges Puzzleteil, zusammengesetzt ergeben all diese Einzelstückchen aus dem Monitoring ein Bild von Wölfen in Deutschland, wie es von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) jährlich in einem Status-Bericht veröffentlicht wird.
Auf der DBBW-Website finden sich u.a. Rasterzellenkarten zum Wolfsvorkommen in Deutschland und auch Karten zu Wolfsterritorien je Bundesland, welche kontinuierlich aktualisiert werden.

Zu den interaktiven DBBW-Karten der Wolfsterritorien in Deutschland, die nach Jahr und Bundesland ausgewählt werden können, geht es HIER.

Mehr Infos über Wölfe in Deutschland und insbes. Wölfe in Brandenburg gibt´s auf meiner Website.

Meine Doggies Speedy und Chekotee sind mittlerweile zu wahren Wolfspoopie-Experten geworden: Ohne dass ich es extra mit ihnen geübt hätte, zeigen sie mir jede Wolfslosung an, die sie finden. Wie kam das? Wenn ich früher ein Wolfspoopie entdeckt hatte, freute ich mich jedes Mal sehr darüber und begann mich intensiv damit zu beschäftigen (Zollstab und/oder Lineale auslegen, Losung genau „studieren“ und fotografieren). Das weckte natürlich ihr Interesse, sodass sie herkamen und nachguckten, besser gesagt: nachschnüffelten. Mit der Zeit begannen die Doggies von sich aus, mir Losungen durch Hinschnüffeln und Hingucken anzuzeigen, was von mir klarerweise ausgiebig gelobt und belohnt wurde. Dabei gab ich das größere Lob und die hochwertigere Belohnung beim „Nur-Gucken“, um dieses zu verstärken. Denn wenn Hunde zu intensiv an der Losung herumschnüffeln, kann es sein, dass diese durch Hunde-DNA „kontaminiert“ wird – und das würde jede Genetikprobe unbrauchbar machen.
Mittlerweile hat sich bereits ein individuelles Anzeigeverhalten entwickelt: Hund findet Losung, schaut kurz zu mir, setzt oder legt sich neben den Fund und wartet auf meine Aktionen – vor allem auf die Belohnung:-)

Und das ist der tolle Fund, den die beiden Doggies gemacht haben, nicht mehr sonderlich frisch, aber mit typischem Inhalt (alle Fotos sind vom März 2021). Übrigens werden bei Spuren von Tieren/Pflanzen, die streng geschützt sind, keine Ortsangaben nach außen getragen, weshalb ich auch die Fotos so zurechtgeschnitten hab, dass die Region nicht erkennbar ist. In Brandenburg erhält das LfU (Landesamt für Umwelt) die exakten Daten von allen, die am Wolfsmonitoring beteiligt sind. Daraus wird dann der jährliche Bericht zum Wolfsvorkommen in Brandenburg erstellt, welcher wiederum – wie die Berichte der anderen Bundesländer – die Grundlage für den oben erwähnten DBBW-Statusbericht über Wölfe in ganz Deutschland ist.

Zwischen Speedy und Chekotee existiert tiefe Verbundenheit und Freundschaft, daher kommt es unter ihnen nie zum Wetteifern. Wenn sie gemeinsam eine Losung gefunden haben, so teilen sie sich brüderlich ihren Erfolg:-)

Und wenn einer der beiden Doggies eine Losung gefunden hat, so hält sich der andere fairerweise im Hintergrund und überlässt seinem Kumpel den wohlverdienten Ruhm;-)

Speedy hat mitgekriegt, dass ich nicht nur über Wolfspoopie begeistert bin, sondern über jede Art von Losung. So entwickelte er sich mit der Zeit zum „Spezialisten“ für Kleintierlosungen, die mit freiem Auge in der Tat schwer zu entdecken sind.

Chekotee hingegen blieb lieber bei den Wölfen – so ein Wolfspoopie, das gibt halt was her! Mit stolzgeschwellter Brust zeigt er also seinen markanten Losungfund:

Manchmal findet Chekotee ein Poopie, von dem er ganz genau weiß, dass es nicht vom Wolf hinterlassen wurde. Unschlüssig fragt er sich selbst: „Soll ich das denn nun auch anzeigen oder nicht?“

Von welchem Tier stammt´s?

Zuletzt siegt aber doch sein „Arbeitseifer“ und mit selbstbewusster Pose verweist er auf seine Entdeckung! Rätsel-Auflösung: Es sind Kotbeeren eines Rehs.

Einmal hatten wir das Glück, dass Speedy und Chekotee jeder für sich seine eigene Losung fand – direkt nebeneinander! Das war wie ein Lotto-Gewinn! Zumindest Chekotee lacht sich ein´s, während Speedy wieder mal ganz auf „seriös“ tut;-)

Schlaubetal-Wanderweg zwischen Kieselwitzer und Bremsdorfer Mühle

Ausgangspunkt: Kieselwitzer Mühle, vorbei an den Sümpfen der Schlaube Richtung Bremsdorfer Mühle – so viele faszinierende Entdeckungen …

Schlaubetal-Wanderweg zwischen Kieselwitzer Mühle und Bremsdorfer Mühle
[Quelle: Open Street Map]

Ausgangspunkt: Kieselwitzer Mühle – geplant war eine Wandertour bis zur Bremsdorfer Mühle und wieder zurück, doch gerade an diesem Samstag hatte auch andere Menschen die Wanderlust gepackt, sodass wir, d.h. Chekotee und Speedy, viele Begegnungen meistern mussten. Zu viele! Vor allem Chekotee, der bei fremden Menschen immer noch sehr verängstigt ist (ein Handicap, das ihn sein Leben lang begleiten wird) war auf halber Strecke schon so mit den Nerven fertig, dass ich beschloss, lieber umzukehren. Normalerweise treffen wir monatelang keine Menschenseele auf unseren Waldtouren, jedoch an diesem Tag war erstaunlich viel los.

Unser „halber“ Schlaubetal-Wanderweg von der Kieselwitzer Mühle Richtung Bremsdorfer Mühle
[Quelle: Open Street Map]

Schlaubetal-Wanderweg:
Kennzeichnung = blaues S auf weißem Grund

Nichtsdestotrotz machten wir tolle Entdeckungen und auch die Doggies hatten ihren Spaß – jedenfalls solange niemand sonst in der Nähe war. Höhepunkt für die Hunde war mit Sicherheit ein umgestürzter Baum, der quer über eine Senke gefallen war, also eine Brücke in die Wildnis bildete! Bei solcherart wagemutiger Akrobatik hat Chekotee niemals Angst, da ist er ganz in seinem Element:-)

Chekotee balanciert und lacht, Mai 2021

Natürlich lässt sich auch Speedy diesen Spaß nicht nehmen und so spazieren die beiden Hunde auf dem dicken Baumstamm über einem immerhin ca. 6 Meter tiefen „Abgrund“ hin und her als wäre gar nichts dabei! Aber nur bis zur „natürlichen Grenze“, keineswegs ins Buschwerk hinein – Speedy und Chekotee sind ja brave Naturschutzhunde:-)

Das Schlaubetal hat eine ganz besondere Atmosphäre und die vielen Sumpfgebiete entlang der Schlaube verwandeln das Gebiet in einem „Zauberwald“:-)

„Zauberwald“ im Schlaubetal, Mai 2021

All die Feuchtstellen waren übersät mit weiß-leuchtendem Schaumkraut: Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara). „Die Pflanzen bilden Ausläufer und treten so oft truppweise auf. […] Die Blätter sind essbar und liefern bereits früh im Jahr Vitamin C, allerdings schmecken sie – wie der Name verrät – bitter“ (Kosmos 2020, 116).

Schlaubetal: Üppig wächst Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara) im Sumpfgebiet, Mai 2021

„Den Namen Schaumkraut verdankt diese Gattung den Schaumzikaden (meist), deren Larven geschützt vor Austrocknung und Fressfeinden in selbst erzeugten Schaumnestern an den Stängeln der Pflanzen leben“ (Lüder 2018, 489). Das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara) ist u.U. mit der Brunnenkresse zu verwechseln, doch trägt diese gelbe Staubbeutel, während die Staubbeutel des Bitteren Schaumkrauts violett sind.

Das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara) „wächst in unmittelbarer Nähe von Wasser, manchmal steht es sogar mit den Füßen im Wasser“ (Fragnière et al. 20202, 205).

Cardamine amara (Bitteres Schaumkraut) im Nassen, Mai 2021

Zwischen den Schaumkraut-Pflanzen ranken sich die typischen Quirl-Stängel des Kletten-Labkrauts (Galium aparine) empor, welches jedoch zurzeit noch nicht blüht. Mit seinen Borstenhaaren (die auf dem zweiten Foto zu erkennen sind) klimmt es an anderen Pflanzen bzw. auch an Zäunen u.Ä. hoch.

Galium aparine (Kletten-Labkraut), Mai 2021
Galium aparine (Kletten-Labkraut) mit Borstenhaaren, Mai 2021

Die weiß-grüne Pracht der Schaumkraut-Sümpfe erhielt immer wieder leuchtend gelbe Tupfen durch die Blüten des Hahnenfußes. Leider konnte ich nicht exakt bestimmen, um welche Art es sich bei diesen Ranunculaceae (Hahnenfußgewächsen) handelt – ich bin nicht dicht genug heran gekommen, um die Grundblätter anzuschauen, denn da wäre ich im Morast versunken, bis zum Knöchel oder gar noch tiefer!

Sumpf mit Hahnenfuß, Mai 2021
„Sumpfwildnis“ mit Schaumkraut und Hahnenfuß, Mai 2021

Im morastigen Sumpfgebiet fand ich außerdem: Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Goldnessel (Lamium galeobdolon), Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella – nur noch Blätter, denn die Zeit der weißen Waldsauerklee-Blüten ist bereits vorbei) und Gras-Sternmiere (Stellaria graminea – winzig kleine weiße Blütchen, darum der Größenvergleich mit meinem Wanderschuh).

Mitten im Morast machte ich eine faszinierende Entdeckung: Kissen vom Wechselblättrigen Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium). „Die Gattung [Milzkraut (Chrysosplenium), Anmerkung M. Silber] verdankt ihren Namen den gelben Hochblättern (‚chrysos‘ = ‚Gold‘) und den milzförmigen Laubblättern (’splen‘ = ‚Milz‘)“ (Lüder 2018, 280). Das Milzkraut zählt zur Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae), über die ich bereits in einem Blogpost berichtete. „Aus der milzähnlichen Form der Blätter schloss man im Mittelalter, dass die Pflanze gegen Milzkrankheiten hilft“ (Kosmos 2018, 250). Zur Reifezeit entwickeln sich flachschalige Fruchtkapseln mit vielen winzigen Samen aus den Fruchtblättern des Milzkrauts. „Bei Regen werden die kleinen Samen durch auftreffende Tropfen ausgespült und fortgeschleudert“ (Lüder 2018, 281).

Beim „Hunde-Akrobatik-Baumstamm“ entdeckte ich eine Gruppe noch nicht voll aufgeblühter Pflänzchen der Zweiblättriges Schattenblume (Maianthemum bifolium). Der Standort in schattigen Wäldern und die beiden einander gegenüberstehenden Stängelblätter brachten diesem Blümchen aus der Familie der Spargelgewäche (Asparagaceae) seinen Namen ein (vgl. Lüder 2018, 121).

Überall – an morastigen Tümpeln und am feuchten Waldboden – wächst Schönes Frauenhaarmoos (Polytrichum formosum). Auf den beiden Fotos sind trotz Unschärfe recht gut die Sporenkapseln und deren Häubchen sowie die „splash cups“, die schüsselförmigen Antheridien (männlichen Geschlechtsorgane) zu erkennen. Bei Polytrichum-Moosarten kommen die Geschlechter nämlich getrennt auf verschiedenen Pflanzen vor, d.h. die Geschlechterverteilung ist zweihäusig (diözisch). Typischerweise stehen die einzelnen Geschlechter in Gruppen zusammen (vgl. Rapp 2020, 15). Wie Haarmützenmoose (Polytrichaceae) aufgebaut sind, wie die geschlechtliche Vermehrung und die Ausbreitung durch Sporen funktioniert, das beschreibe ich in einem anderen Blogpost.

Schlaubetal: Polytrichum formosum (Schönes Frauenhaarmoos) mit Sporenkapseln und „splash cups“, Mai 2021
Schlaubetal: Polytrichum formosum (Schönes Frauenhaarmoos) mit Sporenkapseln (Häubchen!) und „splash cups“, Mai 2021

Der Fund des Tages aber war Schachtelhalm (Equisetum sp.)!

Am Rande eines schilfbedeckten Feuchtgebietes entdeckte ich diese urzeitlichen Pflanzen. Es erfüllt mich stets mit besonderer Ehrfurcht, wenn ich Exemplare aus der Gruppe Monilophyta (Farne und farnartige Pflanzen) sehe, die schon vor rund 380 Millionen Jahren entstanden sind (vgl. Lüder 2018, 41).

In der Familie der Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae) gibt es „nur die Gattung Schachtelhalm (Equisetum) mit weltweit ca. 20 Arten. In den Wäldern und Feuchtgebieten Mitteleuropas kommen etwa 10 Arten vor. Die meisten haben lange unterirdische Sprossachsen (Rhizome) und vermehren sich auch über abgetrennte Rhizomabschnitte. Die Schachtelhalme enthalten viel Kieselsäure und sind sehr stabil aufgebaut“ (Lüder 2018, 45).
Das sog. Kieselhäutchen „macht die Triebe auffallend hart, so daß sie von Pflanzenfressern gemieden werden. Ihres Kieselgehaltes wegen verwendete man sie früher zum Reinigen kupferner oder zinnerner Gefäße (Scheuer- oder Zinnkraut)“ (Schmeil 1973, 215).

[Quelle: Carl Axel Magnus Lindman]

Ich war so erfreut über meinen Fund, dass ich gar keine genauere Bestimmung vornahm. Dazu hätte ich nämlich eine Pflanze abschneiden müssen, um das Innere des Stängels zu betrachten, was ich aber nicht wollte. Stattdessen bewunderte ich wie gebannt die „geschachtelten“ Stängel mit ihren typischen Qirln.
Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense), sondern um Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre), denn nachträglich konnte ich anhand der – wenngleich nicht ganz scharfen – Fotos feststellen, dass die untersten Internodien der Seitentriebe kürzer als die Stängelscheide sind. Außerdem sind die Zähnchen an den Stängelscheiden dunkel gefärbt und deren Anzahl eher gering. Und die unteren Scheiden der Seitentriebe haben ebenfalls eine dunkle Färbung. Doch was es damit auf sich hat, erkläre ich in einem späteren, speziell den Equisetaceae gewidmeten Blogpost.

Die Doggies, die stets geduldig warten, wenn ich fotografiere, konnten ihren Durst zwischendurch in einem der vielen Rinnsale stillen.

Schlaubetal: Doggies beim Wassertrinken, Mai 2021

Und nun noch Landschaftsimpressionen (alle Fotos Mai 2021): Tümpel und Wald:-)


Quellen:
Fragnière, Y. et al. (20202). Botanische Grundkenntnisse auf einen Blick. 40 mitteleuropäische Pflanzenfamilien. Bern. Haupt.
Der Kosmos-Pflanzenführer (2020). Stuttgart. Franck-Kosmos.
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.
Rapp, C. (2020). Moose des Waldbodens. Der Bestimmungsführer. Bern. Haupt.
Schmeil. Pflanzenkunde (1973). Wiebelsheim. Quelle & Meyer.

Trautzke-Seen und Moore – Teil 9: Trautzke-6 oder das verschwundene Moor

Früher existierten zwischen dem Großen und dem Kleinen Drauzen noch einige weitere (nicht namentlich bekannte) kleinere Teiche. Dieser heute längst trocken gefallene Bereich liegt zwischen den von mir persönlich als Trautzke-1/Trautzke-2 und Trautzke-5 bezeichneten Trautzke-Seen und wird von mir Trautzke-6 genannt.

Mach Dich HIER vertraut mit der von mir gewählten topographischen Nomenklatur des NSG Trautzke-Seen und Moore.

NSG Trautzke-Seen und Moore – Satellitenaufnahme
[Quelle: Googlemaps]
Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-6
[Quelle: Maps.me]

Ausgangspunkt unserer Entdeckungstour Richtung Trauzke-6 ist der Hügelkamm im Norden von Trautzke-3:

Trautzke-3: Nordteil – Hügelkamm, Mai 2021

Vom Hügelkamm gelangen wir zu einer Senke, an deren Rand Birken wachsen und die von Blaubeerengebüsch überwuchert ist, weshalb ich sie „Blaubeeren-Senke“ nenne – und im Sommer sicherlich öfter hierher kommen werde, yummie;-)

Trautzke-6: Vom Hügelkamm nördlich von Trautzke-3 Richtung Trautzke-6 zur Blaubeeren-Senke (Blick vom Rand der Blaubeeren-Senke nach NO), Mai 2021
Trautzke-6: Blaubeeren-Senke, Blick nach W, Mai 2021

Mitten in der Blaubeeren-Senke stehend und den Blick in Richtung Trautzke-3, also nach Nordosten wendend, sieht das Panorama so aus:

Trautzke-6: Blaubeeren-Senke, Blick nach NO Richtung Trautzke-3, Mai 2021

Weiter geht´s dann in Richtung Trautzke-4 und Trautzke-5:

Trautzke-6: Blickrichtung zu Trautzke-4 und Trautzke-5
[Quelle: Maps.me]
Trautzke-6: Blaubeeren-Senke Richtung Trautzke-4 und Trautzke-5, Mai 2021

So kommen wir zur nächsten Senke, die viel weiträumiger als die vorhin beschriebene Blaubeeren-Senke ist und auf den ersten Blick nicht unbedingt nach einem ehemaligen Feuchtgebiet aussieht, obwohl zwischen den Kiefern vereinzelt Birken stehen und auch hier der Boden überwiegend von Blaubeerstauden bedeckt ist. Doch da muss ich bei nächster Gelegenheit die Krautschicht noch genauer untersuchen …

Trautzke-6: Senke, vom W-Rand nach O, Mai 2021

Speedy ist jedenfalls total in seinem Element – Scannen: tja, so mitten im Wald gibt´s natürlich verlockende Erlebnisse für alle Sinne;-)

An dieser Stelle ein kleiner Wald-Knigge: „Normale“ Spaziergänger*innen, quasi Erholungssuchende, sollten keine solchen „Wildnis-Abenteuer“ unternehmen. Erstens stören sie die Natur im Allgemeinen und die Wildtiere im Besonderen, zweitens dürfen in den Wäldern nur Befugte abseits der Wege sein, z.B. Leute aus den Tätigkeitsbereichen Jagd, Forst oder Naturschutz, wobei für das Artenschutzmonitoring die Bestätigung einer anerkannten Naturschutzorganisation (bei mir der BUND Brandenburg) und/oder der Unteren Naturschutzbehörde vorliegen muss. Freiwillige, die ehrenamtlich im Artenschutz tätig sind, können sich von der Unteren Naturschutzbehörde einen sog. NATURSCHUTZAUSWEIS ausstellen lassen.
Dazu ein interessanter NABU-Artikel.

Meine beiden Hunde Speedy und Chekotee sind ja „alte Monitoringexperten“;-) Sie wissen, dass sie keine Tiere aufstöbern und schon gar nicht hinter ihnen her rennen sollen, sie verhalten sich ruhig (auch bei Tiersichtungen gibt´s kein Gekläffe) und finden ihr „Jagdglück“ im Scannen, wo sie – an Ort und Stelle bleibend – den Tieren mit Nase, Augen und Ohren „nachspüren“. Scannen ist so toll für sie, dass ich es sogar als Belohnung einsetzen kann, nach dem Motto: „Das habt Ihr gut gemacht, dafür dürft Ihr nun scannen!“

Auch der eher nicht so „nervenstarke“ Chekotee ist ein großer Scan-Fan geworden, soll heißen: statt Ausflippen ist nunmehr (zu 99,9%) Gucken, Lauschen und Wittern, eben Scannen angesagt (es lohnt sich also wirklich, solche funktionalen Verstärker im Hundetraining einzusetzen). Und weil alles so positiv assoziiert ist, wird klarerweise auch der Rückruf zum freudigen Ereignis:-)

Trautzke-6: Chekotee beim Scannen, Mai 2021
Trautzke-6: Chekotee kommt auf Rückruf freudig herangelaufen – und das bei all den tollen Ablenkungen im Wald, Mai 2021

Kein Wunder, dass Chekotee so gern zurückkommt, wenn´s doch dann eine Suuuuuuper-Belohnung wie bspw. Buddeln in einem Wurzelteller gibt!

Trautzke-6: Chekotee glückselig nach dem Buddelspaß, Mai 2021

Beim Weitergehen schimmern bald schon die Wasserstellen von Trautzke-5 durch die Bäume und das ist auch gut so, denn die Hunde sind nach dem Buddeln ziemlich durstig – deshalb guckt Chekotee auch schon sehnsüchtig zum Wasser hinunter …

Trautzke-6: Chekotee blickt Richtung Trautzke-5, weil´s dort unten Wasser gibt, Mai 2021
Trautzke-6: Blick hinunter zu Trautzke-5, Mai 2021

Nachdem wir bei Trautzke-5 ein wenig Rast gemacht und die Hunde ihren Durst gestillt hatten, machen wir uns wieder auf den Weg – an der Westseite von Trautzke-5 weiter durch den Wald. Und stoßen auf eine völlig „verwilderte“ Senke: meiner Meinung nach das Relikt eines Nebenteiches der früheren Drauzen-Seen.

Trautzke-6: Lag in dieser Senke früher mal ein Nebenteich der Drauzen-Seen? Mai 2021

Zur Orientierung: Diese „wilde Senke“ (wie ich sie nenne) liegt nordwestlich von Trautzke-5 und hat eine Art „Kipferl“-Form (in Deutschland sagt man „Hörnchen“ zum Wiener Kipferl), genauso wie der kleine Teich nördlich des Großen Drauzen auf der Karte aus dem 18. Jahrhundert.

Die wilde Senke möchte ich demnächst unbedingt noch genauestens untersuchen – ich könnte mir vorstellen, dass es dort in ähnlicher Art „moortypische“ Vegetation zu entdecken gibt wie in Trautzke-3, aber wir werden ja sehen, welche Überraschungen noch auf uns warten …

Erschöpft, aber glücklich über die schönen Entdeckungen treten die Doggies und ich unseren Heimweg an. Einem Wildwechsel mitten durch den Wald in nördlicher Richtung folgend erspähen wir durch die Bäume bald die Silhouette von Trautzke-2.

Trautzke-6: Auf dem Weg zu Trautzke-2
[Quelle: Maps.me]
Trautzke-6: Wildwechsel nach Norden in Richtung Trautzke-2 (kleine lichtgrüne Fläche rechts im Bild), Mai 2021
Trautzke-2: Panorama, Mai 2021

Trautzke-Seen und Moore – Teil 8: Trautzke-5

Einst bildete Trautzke-5 zusammen mit Trautzke-4 den Großen Drauzen See, doch das ist schon lange her.

Großer und Kleiner Drauzen im 18. Jahrhundert
[Quelle: Atlas Neuzelle 2018, 9]
Trautzke-5
[Quelle: Maps.me]

Trautzke-5 ist fast zur Gänze mit Schilfröhricht bewachsen, also wesentlich feuchter als Trautzke-4. Der gesamte Ostrand hat mehrere offene Wasserstellen, die sich bis weit über die Mitte von Trautzke-5 hinaus ziehen. Wir haben es hier mit einer moortypischen Schwingrasendecke zu tun, die bei jedem Schritt schaukelt.

Trautzke-5: von N nach S, April 2021

Die Wasserstellen werden bevorzugt von Wildschweinen genutzt: insbesondere am SO-Rand entdeckten wir in den Suhlen auch deutliche Schwarzwild-Spuren.

Speedy wies mich ja bereits im Böschungsbereich auf die Wildschweinhaare hin und unten an der Suhle wachte er „gestrenge“ über meine improvisatorische Kennzeichnung der Spuren mittels Lipstick (hatte an diesem Tag meinen Zollstock nicht dabei und die kleinen Holzlineale, die ich sonst immer parat habe, steckten in der Tasche einer anderen Jacke). Nu, das Wichtigste ist, dass man überhaupt ein Referenzobjekt zum Größenvergleich dazulegt …

Trautzke-5: Wildschweinhaare, April 2021

Und während Speedy an der Suhle nach allen Richtungen scannt, ob nicht doch noch ein Wildschwein in der Nähe ist, behält Chekotee von der Böschung aus den Überblick;-)

Die ganze Ostseite entlang ziehen sich solche Wildschweinsuhlen und weil Trautzke-5 noch nicht so stark verlandet ist, zeigen sich dabei auch mehrere offene, wenngleich schlammige Wasserstellen.

Auf den obigen Fotos ist auch zu erkennen, dass die Oberfläche – wenn nicht von Schilfröhricht – von Seggen und Binsen in ihren typischen Bultformen bewachsen ist.

Natürlich hat auch ein röhricht- und schilfbewachsenes Moor sein Fleur, jedoch im Sinne der Artenvielfalt ist hier dringend Renaturierung nötig.

Trautzke-5: Schilf, April 2021

Quelle:
Stiftung Stift Neuzelle, Hg. (2018). Atlas des Zisterzienserstifts Neuzelle. Berlin. Verlag für Berlin-Brandenburg.

Trautzke-Seen und Moore – Teil 7: Trautzke-4

Trautzke-4 ist ein Teil des ehemaligen Großen Drauzen, doch von dem einstigen See ist heute nicht mehr viel übrig.

Großer und Kleiner Drauzen im 18. Jahrhundert
[Quelle: Atlas Neuzelle 2018, 9]
Trautzke-4
[Quelle: Maps.me]
Trautzke-4: von SW nach N, April 2021

Der ehemalige Große Drauzen hat sich im Laufe der Geschichte zweigeteilt: Trautzke-4 und Trautzke-5. Beide sind von Kiefern (vereinzelt auch Birken) umsäumt und zum großen Teil trocken gefallen.
Trautzke-4 ist vor allem im südlichen Abschnitt stark verlandet (nur am südlichsten Zipfel zeigen Schilfröhrichte und etwas morastiger Boden eine Restwasserstelle an). Im Nordteil besteht eine offene, mit Schilf und Röhricht bewachsene Wasserfläche, der Binsen- und Seggenboden rundherum hat Schwingrasen-Charakter.

An den Böschungen des trocken gefallenen Südteils fand ich neben einem völlig einsam sprießenden Korbblütler* jede Menge Hundsveilchen (Viola canina), also nicht duftende Veilchen.

* Dieser kleine gelbe Korbblütler harrt noch der Bestimmung – wahrscheinlich ist das arg zernepfte Pflänzchen doch „nur“ ein gemeiner Löwenzahn (Taraxacum officinale) oder ein rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus); jedenfalls kein Habichtskraut, denn bei denen kommen solch löwenzahnartige Blätter nicht vor. An dem Tag bei Trautzke-4 waren die Doggies und ich schon mehrere Stunden unterwegs und ich dementsprechend k.o., also examinierte ich das winzige zerrupfte Pflänzchen nicht genauer … leider ist zudem das Foto nicht besonders scharf, aber ich werde die Stelle sicherlich bald wieder besuchen.

Unter den Bäumen der Böschung des südlichsten Zipfels stießen wir auf einen Haufen Federn und Flaumen – da hat sich jemand einen Vogel gut schmecken lassen.

Nicht weit davon durfte sich Chekotee an einem alten Wurzelteller „austoben“ – er jedenfalls hatte seinen Spaß, Speedy hingegen war eher missmutig, weil sein Kumpel ihn beim Buddeln voll mit Erde einstaubte. Tja, das Leben ist manchmal echt grausam;-) Aber Speedy durfte im Nachhinein natürlich auch buddeln, während ich Chekotee mit einem Suchspiel ablenkte.

Am Rand des trockenen Südteils machten wir eine kleine Rast, nachdem Chekotee dort eine Losung gefunden hatte. Da es sich aber weder um eine Wolfs- noch eine Fuchslosung handelte, sondern um verklumpte Rehkotbeeren, war er im ersten Moment unsicher, ob er es überhaupt anzeigen sollte. Doch schließlich siegte sein Eifer – er dachte sich wohl voller Stolz: „Ist zwar kein Wolfspoops, aber immerhin hab ich´s gefunden!“

Trautzke-4: von O nach W, Hunde ruhen im Gras, April 2021
Trautzke-4: von N-Böschung nach S, April 2021

Quelle:
Stiftung Stift Neuzelle, Hg. (2018). Atlas des Zisterzienserstifts Neuzelle. Berlin. Verlag für Berlin-Brandenburg.

Meine neueste botanische Entdeckung: Knöllchen-Steinbrech

Der Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) gehört – wie der Name schon sagt – zur Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae), Gattung Steinbrech (Saxifraga), und gilt als GESCHÜTZT!

„Von dieser Gattung gibt es weltweit etwa 400 Arten, von denen über 30 in Mitteleuropa heimisch sind. Viele von ihnen sind in den Steinschuttfluren und auf felsigen Standorten der Alpen beheimatet. Dort wachsen sie häufig in Felsspalten, und es sieht so aus, als ob sie die Felsen spalten könnten – so sind sie zu ihrem Namen gekommen. Auch der wissenschaftliche Gattungsname hat diesen Ursprung (’saxum‘ = ‚Stein‘ und ‚frangere‘ = ‚brechen‘). […] Einige Arten sind beliebt als Zierpflanzen, vor allem als Bodendecker und in Steingärten“ (Lüder 2018, 285).

Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Mai 2020

Der Knöllchen-Steinbrech wächst auf mageren Wiesen (also eher nicht auf Steinen), ist mehrjährig und hat seine Blütezeit von Mai bis Juni. In den Achseln der abgestorbenen Grundblätter bilden sich unterirdische Brutzwiebel (Bulben bzw. Knöllchen – daher auch der Name!); die Knöllchen dienen der vegetativen Vermehrung.
Im Mittelalter dachte man anhand der Signaturenlehre, „die steinchenähnlich aussehenden Zwiebelchen seien ein Zeichen, dass die Pflanze bei Blasen- und Nierensteinen den ‚Stein brechen‘ könne“ (Kosmos 2020, 144).

Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) – links
[Quelle: Thomé 1885, 351]

Die rosettenartigen Grundblätter des Knöllchen-Steinbrechs sind rundlich nierenförmig und lappig gekerbt. Sie erscheinen oft schon im Herbst und sind wintergrün, zur Blütezeit jedoch meist bereits abgestorben (unten ein Foto, wo die Grundblätter noch zu sehen sind).

Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) – Grundblätter, Mai 2020

Die Pflanze wird 15-40 cm hoch und trägt außer den Grundblättern zumeist keine weiteren Stängelblätter. Der sich bereits ab der Mitte verzweigende Stängel ist klebrig behaart, wodurch häufig vom Wind verwehte Samenfäden anderer Pflanzen hängen bleiben. Die Blüten sind weiß, ca. 1,5-2 cm im Durchmesser, der Blütenstand ist eine lockere Rispe (vgl. BLV 2015, 64).

Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) mit hängengebliebenen Samenfäden, Mai 2021
Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Mai 2020

Quellen:
Der illustrierte BLV-Pflanzenführer für unterwegs (2015). München. BLV.
Der Kosmos-Pflanzenführer (2020). Stuttgart. Franck-Kosmos.
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.
Thomé, O. W. (1885). Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8618 (zuletzt aufgerufen am 20.05.2021).

Trautzke-Seen und Moore – Teil 6: Trautzke-3

Dieses langgestreckte Feuchtgebiet trägt zwar keine offenen Wasserflächen mehr, dafür aber viele Merkmale eines (ehemaligen) Moors, also noch einen relativ großen Artenreichtum.

Trautzke-3
[Quelle: Maps.me]

Trautzke-3 ist eingebettet in eine längs verlaufende Senke, welche sich in drei Abschnitte teilt: der südliche Teil ist schon stark trocken gefallen, dort breitet sich über den Gräserhorsten vorwiegend Himbeergestrüpp aus, der nördliche Teil ist das eigentliche „Restmoor“ mit Schwingrasendecke und vielfältiger Flora.

Trautzke-3: Südteil, April 2021
Trautzke-3: Nordteil, April 2021

Und der dritte Teil?
Im Foto vom Nordteil erkennt Ihr eine Art kiefernbewachsenen „Wall“ – dieser „Hügelkamm“ trennt den dritten Teil von den beiden ineinander übergehenden Hauptteilen ab. Der separate dritte Bereich ist ebenso wie der Südteil ziemlich trocken gefallen und mit Blaubeer- und Himbeergestrüpp zugewachsen. Ihr könnt Euch dessen Lage dort vorstellen, wo in der Karte oben mein blauer Pfeil positioniert ist.
An der Ostseite führt ein Waldweg an Trautzke-3 vorbei, über den wir direkt zu Trautzke-4 kommen. Das Landschaftsbild entlang dieses Weges lässt vermuten, dass einst wohl die gesamte N-S-Strecke zwischen Trautzke-2 und Trautzke-4 Moorgebiet gewesen ist (auf der Maps.me-Karte müssten wir Trautzke-3 also nach oben und unten verlängern).
Das macht auch Sinn, denn im Vergleich mit der historischen Karte vom Kleinen und Großen Drauzen aus dem Neuzeller Atlas lässt sich ausmalen, dass der dritte, nördlichste Abschnitt von Trautzke-3 das südlichste Zipfelchen des Kleinen Drauzen sein könnte. Die in der Maps.me-Karte verzeichnete Wasserfläche für (wie von mir genannt) Trautzke-3 ist wohl gleichzusetzen mit dem schmalen länglichen Gewässer zwischen dem Kleinen und Großen Drauzen auf der Karte des Neuzeller Atlas. Dabei ist zu bedenken, dass der Große Drauzen früher eben noch seine tatsächliche Größe hatte.

Kleiner und Großer Drauzen im 18. Jahrhundert
[Quelle: Neuzeller Atlas]

Ein kleiner Ausflug in die Botanik

Der nördliche Schwingrasenteil von Trautzke-3 ist zwar bei Weitem kein intaktes Moor mehr, aber hier hat sich noch am ehesten moortypische (bzw. zumindest feuchtigkeitsliebende) Vegetation erhalten.

Carex – Gattung Segge

Trautzke-3: Seggenbult, Mai 2021

Seggen zählen zur Familie der Sauergräser (Cyperaceae), andere Gattungen der Sauergras-Familie, ebenfalls in Feuchtgebieten vorkommend, sind bspw. Simse (Scirpus) und Wollgras (Eriophorum).

Bei uns in Mitteleuropa gibt es über 100 Seggen-Arten, was die Gattung Carex zur größten innerhalb der Sauergräser macht (vgl. Lüder 2018, 169). Und das erleichtert die Bestimmung keinesfalls …
Hier tippe ich anhand der Blüten jedoch auf Carex cespitosa, Rasen-Segge, eine typische Moor-Segge (meine Blütenfotos stammen aus Trautzke-3, Mai 2021).


Mehr zu den Seggen erfahrt Ihr in meinem Blogpost Moorbotanik: Oj wej, eine Carex!

Juncus – Gattung Binse

Trautzke-3: Binsenbult, Mai 2021

Binsen sind die namensgebende Gattung in der Familie der Binsengewächse (Juncaceae) – eine andere Gattung ist die Hainsimse (Luzula). In Mitteleuropa gedeihen etwas 20 Binsen-Arten, hauptsächlich auf Feuchtwiesen, in Sümpfen und Mooren (vgl. Lüder 2018, 183).

In den Trautzke-Seen und Mooren finden wir die Flatter-Binse (Juncus effusus), eine der am häufigsten vorkommenden Binsen-Arten, wie auch die lateinische Bezeichnung „effusus“ (d.h. weit ausgedehnt, zerstreut, verschwenderisch, maßlos) suggeriert.

Juncus effusus (Flatter-Binse), November 2020

Mehr über Binsen und „Binsenweisheiten“ gibt´s in meinem Blogpost Moorbotanik: In die Binsen gegangen!

Gras – noch unbestimmt

Symphytum officinale – Gewöhnl. Beinwell

Eine uralte Heilpflanze, die im Sommer wunderschöne blauviolette Blüten hervorbringt. Gesammelt und (meist zu einer Salbe) verarbeitet wird vor allem im Herbst die Wurzel – anwendbar bei Prellungen, Stauchungen, Brüchen und schlecht heilenden Wunden. Aber auch zerstoßene Blätter sind als Gelenkspackungen hilfreich.
Das griechische Wort „symphyein“ bedeutet übrigens „zusammenwachsen lassen“ – wie so häufig prägt die Wirkung der Pflanze ihren Namen.
Symphytum officinale (Gewöhnlicher Beinwell) gehört zu den Raublattgewächsen (Boraginaceae) und wächst bevorzugt auf feuchten Standorten.

Stellaria media – Vogel-sternmiere

Trautzke-3: Stellaria media (Vogelmiere), Mai 2021

Am Rand des nördlichen Moorteils breitet sich Vogelmiere aus – die schmackhaften und vitaminreichen winzigen Frühlingspflänzchen halten durch ihren flächigen (und höchst üppigen) Wuchs den Boden feucht.

PotentillA palustris – Sumpf-Blutauge

Trautzke-3 ist übersät mit diesen außergewöhnlichen Schönheiten – schon von Anfang an vermutete ich, es handle sich um eine Potentilla-Art, aber ich war mir nicht sicher, welches Fingerkraut. Jedenfalls strahlen sie für mich einen ganz besonderen Zauber aus:-)
Erst als ich wenige Tage später erneut Trautzke-3 besuchte und den Zuwachs auf 5 und 7 Fiederblätter bemerkte, wusste ich es: das wird ein Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris)! Die Bezeichnung palustris kommt aus dem Lateinischen: palus = Sumpf, Pfuhl; paluster/palustris = sumpfig.
„Der wissenschaftliche Name Potentilla leitet sich von der Heilkraft einiger Arten ab (‚potentia‘ = ‚Kraft‘). So ist beispielsweise das Aufrechte Fingerkraut (Potentilla erecta) seit alters her vor allem wegen der magenschonenden Gerbstoffe ein geschätztes Heilkraut. Es wird auch Tormentill oder Blutwurz genannt“ (Lüder 2018, 361).
Zur Blütezeit im Juni/Juli werde ich Euch dann noch viel mehr über das magische Sumpf-Blutauge erzählen und auch über andere Potentilla-Arten, denn die Fingerkräuter gehören zu meinen Lieblingen:-)

Pflanzen – noch unbestimmt

Überall verteilt im Nordteil von Trautzke-3 wachsen einige Pflänzchen, die ich noch nicht bestimmen konnte – bin schon sehr gespannt, was da mal draus wird …

Moose

Neben den Gräsern gibt es noch eine ziemlich verzwickte Gruppe in der Botanik: die Moose! Aus dem Moormonitoring kenne ich natürlich bereits einige Torfmoose (Sphagnum sp.), aber grundsätzlich ist dieses Gebiet absolutes Neuland für mich. Außerdem stellte ich fest, dass ich bei Moosen mit meinen Lupen nicht sehr weit komme, also warte ich auf das Mikroskop, welches mir der BUND Brandenburg liebenswürdigerweise als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt:-)

In Trautzke-3 entdeckte ich wunderschöne Moose auf dem Wurzelteller eines umgestürzten Baumes, so zart und zerbrechlich wirkend, dabei unglaublich beständig: Frauenhaarmoos – entweder Goldenes Frauenhaarmoos (Polytrichum commune) oder Schönes bzw. Wald-Frauenhaarmoos (Polytrichum formosum).

Trautzke-3: Frauenhaarmoos, Mai 2021

Es werden noch viele Pflanzen folgen, gerade jetzt im Frühling ist es jedes Jahr wieder ein Wunder, wenn überall das frische, hell leuchtende Grün aufkommt und sich stetig ausbreitet:-)

Trautzke-3: Nordteil mit Frühlingsgrün, Mai 2021

Quellen:
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.
Stiftung Stift Neuzelle, Hg. (2018). Atlas des Zisterzienserstifts Neuzelle. Berlin. Verlag für Berlin-Brandenburg.

Moorbotanik: In die Binsen gegangen!

Wenn etwas „in die Binsen geht“, dann ist es missglückt bzw. verloren gegangen. Diese Redewendung kommt vermutlich aus der Jägersprache: Wenn Enten die Gefahr durch die Jäger wahrnehmen, so fliehen sie in die dichte Ufervegetation, in Schilf- oder Binsenbestände. Dort sind sie vor den Blicken der Jäger verborgen, also nicht mehr jagdbar: gut für die Enten, aber schlecht für die Jäger! Ist aus Sicht der Jäger ein Jagdversuch missglückt, so ist er in die Binsen gegangen (vgl. Kremer & Oftring 2013, 193).

Flatter-Binse (Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-3), Mai 2021

Binsen sind die namensgebende Gattung in der Familie der Binsengewächse (Juncaceae). „In Mitteleuropa gedeihen etwas 20 Arten. Sie sind vor allem in Uferzonen, auf Feuchtwiesen, in Mooren und Sumpfgebieten zu finden. Sie sind als Futterpflanze wertlos, und das Vieh meidet die harten Stängel. Einige Binsen sind als Zierpflanzen für Gartenteiche und Sumpfbeete beliebt. Früher wurden sie vor allem als Flechtmaterial für Matten, Körbe und Fischreusen verwendet. Allerdings ist der Namensursprung von lat. ‚jungere‘ = ‚binden‘ umstritten“ (Lüder 2018, 183).

Ein typisches Merkmal von Binsen ist, dass sie knotenlose Stängel haben – daher kommt auch der Ausspruch „Binsenwahrheit“ bzw. „Binsenweisheit“, welcher sich auf die alten Römer zurückführen lässt: „Vermutlich im Anschluß an l. quaerere in scirpo nodum ‚in der Binse einen Knoten suchen‘ = ’sich unnötige Mühe machen‘ (weil die Binse keine Knoten hat); also etwa ‚eine Weisheit, die man nicht suchen muß, die offen zutage liegt'“ (Kluge 198922, 86).

Flatter-Binse (Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-3), Mai 2021

Der Blütenstand von Flatter-Binsen ist in Form einer Spirre und seitenständig (d.h. seitlich vom Stängel abstehend), was besonders im Herbst markant ins Auge fällt:

Juncus effusus (Flatter-Binse), November 2020

Ein weiteres Merkmal der Flatter-Binse ist der elliptisch-runde, dunkelgrün glänzende Stängel (wie gesagt: ohne Knoten), welcher im Inneren mit einem durchgehenden weißen, schwammigen Gewebe gefüllt ist, dem Aerenchym. Das ist ein typisch für den sumpfigen Standort ausgebildetes Durchlüftungsgewebe. „Früher wurde dieses Mark wegen der trockenen Konsistenz mit seiner Sogwirkung als Lampendocht verwendet. Es lässt sich leicht mit dem Fingernagel aus dem Stängel schieben“ (Lüder 2018, 184).

Stängel der Flatter-Binse im Querschnitt, April 2021
Aerenchym (Durchlüftungsgewebe) aus dem Stängel der Flatter-Binse herausgeschält, April 2021

Das durchgehende Mark im Stängel ist ein charakteristisches Kennzeichen für die Flatter-Binse (Juncus effusus), denn andere Arten, z.B. die Blaugrüne Binse (Juncus inflexus), haben etagenweise Markschichten in ihren runden Hohlstängeln. „Durch die großen Zwischenräume (sog. Interzellularen oder Lakunen) dieses schwammartigen Gewebes wird ein optimaler Gasaustausch und eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff ermöglicht. […] Die luftgefüllten Räume und das Durchlüftungsgewebe dienen zusätzlich der Schwimmfähigkeit. Werden Pflanzen im Uferbereich durch Tiere oder Hochwasser von ihrem Standort gerissen, können sie lange auf der Oberfläche treiben, ohne abzusinken, und an einem anderen Ort Fuß fassen“ (Lüder 2018, 184).

Aerenchym: links Flatter-Binse (Juncus effusus), rechts Blaugrüne Binse (Juncus inflexus)
[Quelle: Lüder 2018, 183]
Flatter-Binse mit Spirre (Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-3), Mai 2021

Quellen:
Kluge, F. (198922). Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin. Walter de Gruyter.
Kremer, B.P. & Oftring, B. (2013). Im Moor und auf der Heide. Natur erleben – beobachten – verstehen. Bern. Haupt.
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.

Moorbotanik: Oj wej, eine Carex!

Tja, eigentlich könnte ich aufschreien: „Oj wej, ein Gras!“ Mit den Gräsern beschäftige ich mich nämlich erst seit Kurzem – wer ernsthaft Moormonitoring betreiben will, muss sich eben mit Gräsern auseinandersetzen;-) Und das ist ein weites Feld …

Seggenbult (Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-4), Mai 2021

CAREX sp. [sp. = species; wenn man eine Grasart nicht genau bestimmen kann, fügt man dem Gattungsnamen „sp.“ an und meint damit, dass diese Art zur Gattung Carex (Segge) gehört – wenigstens eine erste Kategorisierung]: Seggen zählen zur Familie der Sauergräser (Cyperaceae), andere Gattungen der Sauergras-Familie, ebenfalls in Feuchtgebieten vorkommend, sind bspw. Simse (Scirpus) und Wollgras (Eriophorum).

„Mit über 100 Arten ist diese Gattung die weitaus größte innerhalb der Sauergräser. Ihr Name geht auf das alteuropäische Wort ’sek‘ für ’schneiden‘ zurück und bezieht sich auf die schneidend scharfen Blattränder. Dies findet sich auch im wissenschaftlichen Gattungsnamen Carex wieder. ‚Secare‘ bedeutet lateinisch ’schneiden‘, und ‚carrere‘ steht für ‚kratzen‘, so wurden diese Gräser ‚kratzendes Gestrüpp‘ genannt. Umgangssprachlich werden Seggen auch Riedgräser genannt und die Riedgrasbestände Sauerwiesen. Dies bedeutet so viel wie ‚wertloses Grünland‘ und ist auf den geringen Futterwert der Seggen zurückzuführen. Allerdings wurde das Heu der Seggenriede als Einstreu für Tiere genutzt. Die Feuchtwiesen sind entstanden, als der Mensch begann, die Feuchtwälder entlang der Bäche und Seen in Grünland zu verwandeln. Die meisten Arten gedeihen auf feuchten Standorten“ (Lüder 2018, 169).

Bei den Seggen, die ich in den Trautzke-Seen und Mooren gefunden habe, tippe ich anhand der Blüten auf Carex cespitosa, Rasen-Segge, eine typische Moor-Segge:

„Die Rasen-Segge (Carex cespitosa) bildet auf Sumpfwiesen dichte Horste. Hier sind die oberen männlichen Ährchen mit den heranreifenden Staubbeuteln zu sehen. Darunter befinden sich die weiblichen Ährchen“ (Lüder 20157, 237).

Rasen-Segge
[Quelle: Lüder 20157, 237]
Seggenbult (Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-3), Mai 2021

Quellen:
Lüder, R. (20157). Grundkurs Pflanzenbestimmung. Wiebelsheim. Quelle & Meyer.
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.