Schlaubetal-Wanderweg zwischen Kieselwitzer und Bremsdorfer Mühle

Ausgangspunkt: Kieselwitzer Mühle, vorbei an den Sümpfen der Schlaube Richtung Bremsdorfer Mühle – so viele faszinierende Entdeckungen …

Schlaubetal-Wanderweg zwischen Kieselwitzer Mühle und Bremsdorfer Mühle
[Quelle: Open Street Map]

Ausgangspunkt: Kieselwitzer Mühle – geplant war eine Wandertour bis zur Bremsdorfer Mühle und wieder zurück, doch gerade an diesem Samstag hatte auch andere Menschen die Wanderlust gepackt, sodass wir, d.h. Chekotee und Speedy, viele Begegnungen meistern mussten. Zu viele! Vor allem Chekotee, der bei fremden Menschen immer noch sehr verängstigt ist (ein Handicap, das ihn sein Leben lang begleiten wird) war auf halber Strecke schon so mit den Nerven fertig, dass ich beschloss, lieber umzukehren. Normalerweise treffen wir monatelang keine Menschenseele auf unseren Waldtouren, jedoch an diesem Tag war erstaunlich viel los.

Unser „halber“ Schlaubetal-Wanderweg von der Kieselwitzer Mühle Richtung Bremsdorfer Mühle
[Quelle: Open Street Map]

Schlaubetal-Wanderweg:
Kennzeichnung = blaues S auf weißem Grund

Nichtsdestotrotz machten wir tolle Entdeckungen und auch die Doggies hatten ihren Spaß – jedenfalls solange niemand sonst in der Nähe war. Höhepunkt für die Hunde war mit Sicherheit ein umgestürzter Baum, der quer über eine Senke gefallen war, also eine Brücke in die Wildnis bildete! Bei solcherart wagemutiger Akrobatik hat Chekotee niemals Angst, da ist er ganz in seinem Element:-)

Chekotee balanciert und lacht, Mai 2021

Natürlich lässt sich auch Speedy diesen Spaß nicht nehmen und so spazieren die beiden Hunde auf dem dicken Baumstamm über einem immerhin ca. 6 Meter tiefen „Abgrund“ hin und her als wäre gar nichts dabei! Aber nur bis zur „natürlichen Grenze“, keineswegs ins Buschwerk hinein – Speedy und Chekotee sind ja brave Naturschutzhunde:-)

Das Schlaubetal hat eine ganz besondere Atmosphäre und die vielen Sumpfgebiete entlang der Schlaube verwandeln das Gebiet in einem „Zauberwald“:-)

„Zauberwald“ im Schlaubetal, Mai 2021

All die Feuchtstellen waren übersät mit weiß-leuchtendem Schaumkraut: Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara). „Die Pflanzen bilden Ausläufer und treten so oft truppweise auf. […] Die Blätter sind essbar und liefern bereits früh im Jahr Vitamin C, allerdings schmecken sie – wie der Name verrät – bitter“ (Kosmos 2020, 116).

Schlaubetal: Üppig wächst Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara) im Sumpfgebiet, Mai 2021

„Den Namen Schaumkraut verdankt diese Gattung den Schaumzikaden (meist), deren Larven geschützt vor Austrocknung und Fressfeinden in selbst erzeugten Schaumnestern an den Stängeln der Pflanzen leben“ (Lüder 2018, 489). Das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara) ist u.U. mit der Brunnenkresse zu verwechseln, doch trägt diese gelbe Staubbeutel, während die Staubbeutel des Bitteren Schaumkrauts violett sind.

Das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara) „wächst in unmittelbarer Nähe von Wasser, manchmal steht es sogar mit den Füßen im Wasser“ (Fragnière et al. 20202, 205).

Cardamine amara (Bitteres Schaumkraut) im Nassen, Mai 2021

Zwischen den Schaumkraut-Pflanzen ranken sich die typischen Quirl-Stängel des Kletten-Labkrauts (Galium aparine) empor, welches jedoch zurzeit noch nicht blüht. Mit seinen Borstenhaaren (die auf dem zweiten Foto zu erkennen sind) klimmt es an anderen Pflanzen bzw. auch an Zäunen u.Ä. hoch.

Galium aparine (Kletten-Labkraut), Mai 2021
Galium aparine (Kletten-Labkraut) mit Borstenhaaren, Mai 2021

Die weiß-grüne Pracht der Schaumkraut-Sümpfe erhielt immer wieder leuchtend gelbe Tupfen durch die Blüten des Hahnenfußes. Leider konnte ich nicht exakt bestimmen, um welche Art es sich bei diesen Ranunculaceae (Hahnenfußgewächsen) handelt – ich bin nicht dicht genug heran gekommen, um die Grundblätter anzuschauen, denn da wäre ich im Morast versunken, bis zum Knöchel oder gar noch tiefer!

Sumpf mit Hahnenfuß, Mai 2021
„Sumpfwildnis“ mit Schaumkraut und Hahnenfuß, Mai 2021

Im morastigen Sumpfgebiet fand ich außerdem: Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Goldnessel (Lamium galeobdolon), Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella – nur noch Blätter, denn die Zeit der weißen Waldsauerklee-Blüten ist bereits vorbei) und Gras-Sternmiere (Stellaria graminea – winzig kleine weiße Blütchen, darum der Größenvergleich mit meinem Wanderschuh).

Mitten im Morast machte ich eine faszinierende Entdeckung: Kissen vom Wechselblättrigen Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium). „Die Gattung [Milzkraut (Chrysosplenium), Anmerkung M. Silber] verdankt ihren Namen den gelben Hochblättern (‚chrysos‘ = ‚Gold‘) und den milzförmigen Laubblättern (’splen‘ = ‚Milz‘)“ (Lüder 2018, 280). Das Milzkraut zählt zur Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae), über die ich bereits in einem Blogpost berichtete. „Aus der milzähnlichen Form der Blätter schloss man im Mittelalter, dass die Pflanze gegen Milzkrankheiten hilft“ (Kosmos 2018, 250). Zur Reifezeit entwickeln sich flachschalige Fruchtkapseln mit vielen winzigen Samen aus den Fruchtblättern des Milzkrauts. „Bei Regen werden die kleinen Samen durch auftreffende Tropfen ausgespült und fortgeschleudert“ (Lüder 2018, 281).

Beim „Hunde-Akrobatik-Baumstamm“ entdeckte ich eine Gruppe noch nicht voll aufgeblühter Pflänzchen der Zweiblättriges Schattenblume (Maianthemum bifolium). Der Standort in schattigen Wäldern und die beiden einander gegenüberstehenden Stängelblätter brachten diesem Blümchen aus der Familie der Spargelgewäche (Asparagaceae) seinen Namen ein (vgl. Lüder 2018, 121).

Überall – an morastigen Tümpeln und am feuchten Waldboden – wächst Schönes Frauenhaarmoos (Polytrichum formosum). Auf den beiden Fotos sind trotz Unschärfe recht gut die Sporenkapseln und deren Häubchen sowie die „splash cups“, die schüsselförmigen Antheridien (männlichen Geschlechtsorgane) zu erkennen. Bei Polytrichum-Moosarten kommen die Geschlechter nämlich getrennt auf verschiedenen Pflanzen vor, d.h. die Geschlechterverteilung ist zweihäusig (diözisch). Typischerweise stehen die einzelnen Geschlechter in Gruppen zusammen (vgl. Rapp 2020, 15). Wie Haarmützenmoose (Polytrichaceae) aufgebaut sind, wie die geschlechtliche Vermehrung und die Ausbreitung durch Sporen funktioniert, das beschreibe ich in einem anderen Blogpost.

Schlaubetal: Polytrichum formosum (Schönes Frauenhaarmoos) mit Sporenkapseln und „splash cups“, Mai 2021
Schlaubetal: Polytrichum formosum (Schönes Frauenhaarmoos) mit Sporenkapseln (Häubchen!) und „splash cups“, Mai 2021

Der Fund des Tages aber war Schachtelhalm (Equisetum sp.)!

Am Rande eines schilfbedeckten Feuchtgebietes entdeckte ich diese urzeitlichen Pflanzen. Es erfüllt mich stets mit besonderer Ehrfurcht, wenn ich Exemplare aus der Gruppe Monilophyta (Farne und farnartige Pflanzen) sehe, die schon vor rund 380 Millionen Jahren entstanden sind (vgl. Lüder 2018, 41).

In der Familie der Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae) gibt es „nur die Gattung Schachtelhalm (Equisetum) mit weltweit ca. 20 Arten. In den Wäldern und Feuchtgebieten Mitteleuropas kommen etwa 10 Arten vor. Die meisten haben lange unterirdische Sprossachsen (Rhizome) und vermehren sich auch über abgetrennte Rhizomabschnitte. Die Schachtelhalme enthalten viel Kieselsäure und sind sehr stabil aufgebaut“ (Lüder 2018, 45).
Das sog. Kieselhäutchen „macht die Triebe auffallend hart, so daß sie von Pflanzenfressern gemieden werden. Ihres Kieselgehaltes wegen verwendete man sie früher zum Reinigen kupferner oder zinnerner Gefäße (Scheuer- oder Zinnkraut)“ (Schmeil 1973, 215).

[Quelle: Carl Axel Magnus Lindman]

Ich war so erfreut über meinen Fund, dass ich gar keine genauere Bestimmung vornahm. Dazu hätte ich nämlich eine Pflanze abschneiden müssen, um das Innere des Stängels zu betrachten, was ich aber nicht wollte. Stattdessen bewunderte ich wie gebannt die „geschachtelten“ Stängel mit ihren typischen Qirln.
Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense), sondern um Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre), denn nachträglich konnte ich anhand der – wenngleich nicht ganz scharfen – Fotos feststellen, dass die untersten Internodien der Seitentriebe kürzer als die Stängelscheide sind. Außerdem sind die Zähnchen an den Stängelscheiden dunkel gefärbt und deren Anzahl eher gering. Und die unteren Scheiden der Seitentriebe haben ebenfalls eine dunkle Färbung. Doch was es damit auf sich hat, erkläre ich in einem späteren, speziell den Equisetaceae gewidmeten Blogpost.

Die Doggies, die stets geduldig warten, wenn ich fotografiere, konnten ihren Durst zwischendurch in einem der vielen Rinnsale stillen.

Schlaubetal: Doggies beim Wassertrinken, Mai 2021

Und nun noch Landschaftsimpressionen (alle Fotos Mai 2021): Tümpel und Wald:-)


Quellen:
Fragnière, Y. et al. (20202). Botanische Grundkenntnisse auf einen Blick. 40 mitteleuropäische Pflanzenfamilien. Bern. Haupt.
Der Kosmos-Pflanzenführer (2020). Stuttgart. Franck-Kosmos.
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.
Rapp, C. (2020). Moose des Waldbodens. Der Bestimmungsführer. Bern. Haupt.
Schmeil. Pflanzenkunde (1973). Wiebelsheim. Quelle & Meyer.

Autor: Helping Dogs on Tour

Zertifizierte Kynologin, Canidenforscherin (Schwerpunkt Hunde und Wölfe), Hundetrainerin und Expertin für Hunde mit (deprivationsbedingten) Ängsten, Natur- und Artenschützerin, Moorpatin beim BUND Brandenburg, Sprecherin des Landesarbeitskreises "Wolf und Herdenschutz" beim BUND Brandenburg

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