Moorbotanik: Oj wej, eine Carex!

Tja, eigentlich könnte ich aufschreien: „Oj wej, ein Gras!“ Mit den Gräsern beschäftige ich mich nämlich erst seit Kurzem – wer ernsthaft Moormonitoring betreiben will, muss sich eben mit Gräsern auseinandersetzen;-) Und das ist ein weites Feld …

Seggenbult (Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-4), Mai 2021

CAREX sp. [sp. = species; wenn man eine Grasart nicht genau bestimmen kann, fügt man dem Gattungsnamen „sp.“ an und meint damit, dass diese Art zur Gattung Carex (Segge) gehört – wenigstens eine erste Kategorisierung]: Seggen zählen zur Familie der Sauergräser (Cyperaceae), andere Gattungen der Sauergras-Familie, ebenfalls in Feuchtgebieten vorkommend, sind bspw. Simse (Scirpus) und Wollgras (Eriophorum).

„Mit über 100 Arten ist diese Gattung die weitaus größte innerhalb der Sauergräser. Ihr Name geht auf das alteuropäische Wort ’sek‘ für ’schneiden‘ zurück und bezieht sich auf die schneidend scharfen Blattränder. Dies findet sich auch im wissenschaftlichen Gattungsnamen Carex wieder. ‚Secare‘ bedeutet lateinisch ’schneiden‘, und ‚carrere‘ steht für ‚kratzen‘, so wurden diese Gräser ‚kratzendes Gestrüpp‘ genannt. Umgangssprachlich werden Seggen auch Riedgräser genannt und die Riedgrasbestände Sauerwiesen. Dies bedeutet so viel wie ‚wertloses Grünland‘ und ist auf den geringen Futterwert der Seggen zurückzuführen. Allerdings wurde das Heu der Seggenriede als Einstreu für Tiere genutzt. Die Feuchtwiesen sind entstanden, als der Mensch begann, die Feuchtwälder entlang der Bäche und Seen in Grünland zu verwandeln. Die meisten Arten gedeihen auf feuchten Standorten“ (Lüder 2018, 169).

Bei den Seggen, die ich in den Trautzke-Seen und Mooren gefunden habe, tippe ich anhand der Blüten auf Carex cespitosa, Rasen-Segge, eine typische Moor-Segge:

„Die Rasen-Segge (Carex cespitosa) bildet auf Sumpfwiesen dichte Horste. Hier sind die oberen männlichen Ährchen mit den heranreifenden Staubbeuteln zu sehen. Darunter befinden sich die weiblichen Ährchen“ (Lüder 20157, 237).

Rasen-Segge
[Quelle: Lüder 20157, 237]
Seggenbult (Trautzke-Seen und Moore: Trautzke-3), Mai 2021

Quellen:
Lüder, R. (20157). Grundkurs Pflanzenbestimmung. Wiebelsheim. Quelle & Meyer.
Lüder, R. (2018). Grundlagen der Feldbotanik. Familien und Gattungen einheimischer Pflanzen. Bern. Haupt.

Trautzke-Seen und Moore – Teil 5: Trautzke-2

Chekotee guckt gebannt auf Trautzke-2 hinunter. Tagelang wanderten wir immer wieder dran vorbei und ich vertröstete meine forschungsfreudigen Hunde jedesmal auf später: „Later on we´re gonna explore that part, too.“ Und dann war es endlich soweit …

Wie bereits im vorigen Blogpost erwähnt, ist Trautzke-2 mit Trautzke-1 verbunden, d.h. die Darstellung auf der Karte von Maps.me täuscht. Und auch hier ist es ähnlich wie bei Trautzke-1, dass nämlich die westliche Ausbuchtung aufgrund der massiven Verlandung längst nicht mehr so groß ist. Aus der Position des blauen Pfeils in der Karte nahm ich das obige Titelfoto (mit Chekotee) auf, wo die eher geringen Ausmaße von Trautzke-2 erkennbar sind.

Trautzke-2
[Quelle: Maps.me]

Im Panoramafoto, bei dem ich inmitten von Trautzke-2 stand, ist links die westliche Begrenzung durch den Wald, mittig der Birkensaum (dahinter liegt Trautzke-1) und rechts die östliche Begrenzung durch den Wald zu sehen.

Trautzke-2: Panorama, Mai 2021
Trautzke-2: Mitte – Blick nach N (Trautzke-1 liegt hinter den Birken), Mai 2021

Trautzke-2 ist augenscheinlich vor geraumer Zeit schon komplett trocken gefallen: Der dicht mit Gras bewachsene Boden weist nicht das kleinste Morastfleckchen auf und deshalb schwingt da klarerweise rein gar nix mit beim Gehen. Nur vereinzelt existieren noch Binsen- und Seggenbulte, lichte Schilfbestände hie und da sind nur noch Relikte einer längst vergangenen Periode als Feuchtbiotop.

Die Doggies kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten – wortwörtlich: Sie fanden Überbleibsel von einem Riss und knabberten glückselig auf alten Knochen herum.

Hinter dem Birkensaum zieht sich im Norden eine Art „Schwelle“ quer durch Trautzke-2, ähnlich wie bei Trautzke-1, wenngleich nicht ganz so erhaben: der Übergang von Trautzke-2 zu Trautzke-1 (auf dem Foto ist links im Hintergrund der schilfumschlossene Moorsee von Trautzke-1 auszumachen, die Birken rechts „gehören“ z. gr. T. bereits zu Trautzke-1).

„Schwelle“ zwischen Trautzke-2 und Trautzke-1, Mai 2021

So gesehen stimmt die Karte von Maps.me ja eigentlich – zwischen Trautzke-1 und Trautzke-2 ist quasi „Land“, bloß dass Trautzke-2 schon sehr, sehr lange keine offene Wasserfläche mehr birgt.

„Schwelle“ zwischen Trautzke-2 und Trautzke-1
[Quelle: Maps.me]
Trautzke-2: Blick vom Ostrand, Mai 2021

Trautzke-Seen und Moore – Teil 4: Trautzke-1

Trautzke-1 ist das nördlichste Moor im NSG Trautzke-Seen und Moore und gliedert sich in zwei Teile: der Süd-Part trägt dieses Jahr wieder Wasser, sodass sich ein kleiner See gebildet hat, hingegen ist der Nord-Part schon vor Jahren trocken gefallen.

Trautzke-1
[Quelle: Maps.me]

Obwohl Maps.me an sich recht genaue Daten liefert, stimmen die Ausmaße von Trautzke-1 nicht mit der Wirklichkeit überein. Der nördliche (trocken gefallene) Teil ist längst nicht (mehr) so breit wie auf der Karte dargestellt (Ihr könnt es Euch so vorstellen, dass die westliche Ausdehnung im Grunde kaum mehr existiert – Wald dringt hier immer weiter vor).
Mein blauer Pfeil zeigt in Richtung Moorsee, welcher im südlichen Part von Trautzke-1 liegt. Die kleine Wasserstelle ist von Schilf umwachsen, worin versteckt ein Kranichpaar brütet, begleitet vom vielstimmigen Froschkonzert.

Rund um die Wasserstelle ist der Boden naturgemäß matschig und nass, jedoch hatte ich nicht das Gefühl von Schwingrasen, zumindest nicht an der Ostseite dieses südlichen Moorteils. Die Verlandung ist offenbar stark fortgeschritten, was sich auch am Aufkommen von üppigen Birkensäumen entlang der Außenseiten zeigt.

Die Kraniche flogen natürlich bei unserer Ankunft auf und kreisten eine Weile über uns, schließlich ließ sich einer der Kraniche wieder seelenruhig im Schilfdickicht nieder. Auch hier zeigte sich wiederum, dass nicht einmal meine beiden Hunde als Gefahr angesehen werden, weil sie sich – wie ich – sehr behutsam und respektvoll in der Natur verhalten. Sie dürfen „scannen“, d.h. gucken, lauschen und wittern, aber eben ganz in Ruhe, da gibt´s kein Vorstürmen und auch kein Bellen! Speedy ist sowieso unser „Musterschüler“, doch sogar der ansonsten gern übermütige Chekotee weiß es mittlerweile zu schätzen, wie toll das ruhige „Scannen“ ist;-)

Chekotee & Speedy beim „Scannen“, Sommer 2020

Auch im Trautzke-1-Moor waren meine Hunde vorbildlich!

Trautzke 1: Südteil mit See und braven Doggies – Panorama, Mai 2021

Am Panoramafoto ist östlich vom Moorteich deutlich eine birkenbewachsene „Schwelle“ zu erkennen (im Bild rechts, wo Speedy im Gras schnüffelt) – dies ist in der Tat die Trennschwelle zwischen dem südlichen Wasserpart und dem nördlichen Trockenpart von Trautzke-1.

Trautzke-1: Zweiteilung (links der südliche Moorteich-Part, ungefähr mittig die „Schwelle“, rechts der nördliche trockene Part) – Panorama, Mai 2021

Kucken wir von der „Schwelle“ aus nach Süden, so haben wir weiterhin den schilfumwachsenen See im Blick.

Trautzke-1: Moorsee von „Schwelle“ aus, Mai 2021


Wenden wir aber unsere Augen von der „Schwelle“ aus nach Norden, so überblicken wir den „Birkenteil“, wie ich diesen Bereich von Trautzke-1 nenne.

„Trautzke-1: „Birkenteil“ von „Schwelle“ aus, Mai 2021

Hier ist alles ganz trocken, nur vereinzeltes Schilfaufkommen zeigt, dass es tief im Boden noch Feuchtigkeitsansammlungen geben muss.

Trautzke-1: „Birkenteil“ vom Nordost-Rand mit Blick nach Süden (hinter den Birken liegt der Part mit dem Moorsee), Mai 2021

Trautzke-1: Moorsee von „Schwelle“ aus – Panorama, Mai 2021