Endlich richtig angekommen!

sdr
Mein Wohnhaus in Henzendorf!

Nach langer Reise und langem „Leben im Provisorium“ habe ich (oder hat mich) endlich mein Traumhaus gefunden: in einer kleinen ruhigen Ortschaft, rundherum Wälder und nahebei ein See – Henzendorf ist echt idyllisch!

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Wie es dazu kam und welch wundersame und wunderschöne Erlebnisse wir bis dahin hatten – diese Geschichten erzähle ich Euch ein andermal …

Jetzt nur soviel: die Doggies und ich sind sehr glücklich hier und wir haben sogar schon Zuwachs, nämlich eine Tierschutz-Katzenfamilie (Mama und vier Kitten)!

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Gizmo, Speedy und Chekotee
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Ayla – Katzenmammi

Weitere Berichte und Fotos zur Katzenfamilie: Pflegekätzchen

 

 

Endlich angekommen!

Die vergangenen Wochen waren wir total im Stress wegen Haussuche – wer hätte auch gedacht, dass es soooooooooo schwierig ist, in der Region Lieberose/Schlaubetal ein Haus zu finden?! In den wenigsten Dörfern stehen Häuser leer und falls doch, sind sie entweder abrissreif oder es hängen hektarweise Felder & Wälder dran oder sie sind viiiiiiiel zu teuer. Ich war ziemlich verzweifelt und sah mich schon als Obdachlose im Winter, noch dazu sinnierte ich vor mich hin, das kann´s doch nicht geben: ich komme extra nach Deutschland, um hier ehrenamtlich im Naturschutz tätig zu sein und habe plötzlich außer dem ganz und gar nicht winterfesten Mini-Wohnwagen kein Dach überm Kopf!!!
Doch glücklicherweise bin ich hier bereits ganz gut vernetzt [das macht mein Wiener Charme;-)], sodass jede Menge netter Leute mit mir und für mich suchen (allen voran „mein Schutzengel“ Karin, eine sehr liebenswürdige Dame, die mich außerdem mit hochinteressanten Menschen bekanntmacht – ohne sie säße ich immer noch auf der Straße)! Nun endlich fand ich ein Winterquartier, wo ich mit den Hunden wohnen und auch meine ganzen Sachen aus Österreich nahebei einlagern kann: in der Bungalowanlage „Zur Jagdhütte“ in Chossewitz [sprich: Koschewitz]. Die familiäre Ferienhausanlage liegt idyllisch und ruhig am Wald und am See im wunderschönen Schlaubetal, wo es Wanderwege ohne Ende gibt – ab Mitte Oktober wird einer der dortigen Bungalows zu unserem neuen Zuhause. Momentan werden die Häuschen noch von Gästen frequentiert, weshalb wir weiterhin im Puscherl wohnen, aber mit der Aussicht auf ein baldiges Heim ist alles „easy“ (noch dazu meinte es der Herbst bislang ja besonders gut mit uns)! Nunmehr fällt der ganze Stress ab und ich merke auf einmal, wieviel Energie mich diese Suche und Ungewissheit gekostet hat, denn ich bin – zum ersten Mal auf meiner Tour – völlig k.o., so richtig erschöpft … aber hier bei Monika, Hartwig und Wolfgang, die mich so herzlich bei sich aufnahmen, kann ich mich schön erholen und auch die Hunde genießen diese vielen Ruhephasen in vollen Zügen, wie auf dem Foto oben unschwer zu erkennen ist:-)
Natürlich geht die Suche nach einem passenden Haus weiter, aber eben in aller Ruhe, ohne Druck – außerdem werden sich sicherlich mehr Türen öffnen, wenn ich erst einmal einige Monate hier gelebt und mich eingearbeitet habe …

Haussuche in der Region Lieberose/Schlaubetal

Nach zweimonatiger Tour durch Brandenburg steht es nun für mich fest: die Region Lieberose/Schlaubetal (im Südosten Brandenburgs) wird mein neues Zuhause. Hier gefällt es mir landschaftlich sehr gut, es gibt viele Seen und Wälder (und Moore und Wölfe), zudem scheint die Chemie zwischen mir und den BewohnerInnen zu stimmen, denn ich begegne auf meinen „Dörfer-Touren“ durchwegs sympathischen, freundlichen und offenen Menschen (übrigens das totale Gegenteil zum Waldviertel)! Irgendwo wartet hier ein Häuschen mit Garten auf mich und die Doggies – wir müssen nur noch zueinander finden …

Über die spannenden Stationen bisher berichte ich demnächst Stück für Stück (und natürlich wiederum mit vielen schönen Fotos)!

Meine ersten Wolfsspuren

Zunächst überspringe ich sämtliche zwischenzeitliche – wenngleich durchaus hochinteressante – Erlebnisse (diese Beiträge werden nachgereicht), um über einen sensationellen Tag zu berichten: Am Sonntag, 26.8.2018, konnte ich bei einer Tour mit dem Wolfsbeauftragten Edwin Majaura im Territorium Lieberoser Heide zum ersten Mal Spuren von wilden Wölfen sehen!! Es war unglaublich faszinierend und spannend, tatsächlich da draußen in der Natur zu sein und zu erkennen, dass hier kürzlich Wölfe vorbeigelaufen sind!! Vielleicht haben sie uns sogar aus einem nicht allzu fernen Versteck beobachtet und sich gedacht, schon wieder so verrückte Menschen, die sich unheimlich freuen, wenn sie ein paar Fährten von uns finden;-)

Frische Losungen waren leider keine zu entdecken, aber dafür fanden wir in einem Heidegebüsch eine alte, vertrocknete Wolfslosung mit den typischen Kennzeichen an Knochen- und Fellstückchen sowie Pflanzenfasern (als FeldforscherIn hat man/frau natürlich keinerlei Problem damit, die Hinterlassenschaften anzufassen und genauestens zu untersuchen – wobei diese schon so eingetrocknet waren, dass wir kaum mehr Geruch wahrnahmen)!

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Zu meiner großen Freude entdeckten wir auch eine Wolfsfährte, bei der sogar Krallenabdrücke sichtbar waren!

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© Mirjam Silber

Für alle, die´s nicht so richtig erkennen können, hier noch eine Großaufnahme:

Natürlich wurden auch Edwins Fotofallen kontrolliert, wo tatsächlich einige Wölfe vorbeigezogen waren – hier ein Wolfsfoto aus der Lieberoser Heide (mit freundlicher Genehmigung von Edwin Majaura):

Fotofalle-EdwinMajaura_Wolf-LiebroserHeide_26.08.18
© Edwin Majaura

Was für ein wundervoller, ereignisreicher und inspirierender Tag in der – langsam in Blüte kommenden – Lieberoser Heide!

Heidekraut-Panorama

Sämtliche Fotos (sofern nicht anders angegeben) © Mirjam Silber

Von Neu- nach Altglobsow

An der Tauchstation Stechlin sollte ein größeres Event stattfinden, weshalb ich nach einigen angenehmen Tagen wiederum aufbrach, diesmal jedoch gar nicht weit, sondern bloß in die Nachbarortschaft am Globsowsee – auch ein wunderschönes Fleckchen Erde! Der dortige Ferienhof Altglobsow beherbergt etliche Dauercamper und hat zudem zwei große Wiesen für durchziehende Gäste, wo ich die meiste Zeit der zwei Wochen, die ich dort zubrachte, die einzige auf dem Platz war und die Ruhe echt genoss. Meine Hunde gewöhnten sich schließlich so daran, die „Alleinherrscher“ über die gesamte Wiese zu sein, dass sie jeden Herannahenden „brav“ meldeten, sogar die Chefin und den Chef des Ferienhofs (die das jedoch mit Humor nahmen, da sie selbst einen Hund haben, die süße Dackeldame Lizzy, und mit der „Hundelogik“ vertraut sind)!
Insbesondere Chekotee, der ja im Laufe unserer Reise zusehends aufblühte, tat es richtig gut, längere Zeit an einem Ort zu sein, er fühlte sich nach wenigen Tagen bereits so zuhause, dass er immer öfter von allein aus dem Wohnwagen kam, sich zu den anderen mit auf die Wiese gesellte, um vergnügt zu spielen, herumzutollen oder einfach nur zu relaxen;-)

Ferienhof-Altglobsow_Youngsterboys-like-old-campers

work in progress …

 

Am Stechlinsee

„Im Norden der Grafschaft Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung.“ (Theodor Fontane)

Das Stechlin-Ruppiner Seenland ist geprägt von Buchenwäldern und Klarwasserseen. Der Große Stechlinsee ist mit seinen 425 ha (und einer Tiefe bis zu 69 m) der größte und bedeutendste der weit mehr als 150 Seen in dieser Region. Sein Name kommt aus dem Slawischen, höchstwahrscheinlich von „steklo“, was „Glas“ bedeutet – absolut passend für den glasklaren See.

Stechlinsee_glasklar

Solcherart gute Sichtweiten ergeben sich in nährstoffarmen Seen, deren Grund reich an Wiesen ist, die wiederum bestes Nahrungsangebot für Fische sind, weshalb der See auch großen Fischreichtum hat. Kein Wunder, dass der Stechlinsee nicht nur bei Wanderern und Naturliebhabern, sondern ebenso bei Tauchern sehr beliebt ist – darum gibt es dort die Tauchbasis Stechlin in Neuglobsow, wo ich für einige Tage recht gemütlich unterkam. Für die Hunde waren die Taucher in ihrer Ausrüstung zwar ziemlich seltsam anzusehen, dafür fanden sie aber rasch Hundefreunde zum Spielen, weil einer der Mitarbeiter selbst Hunde hatte und auch immer wieder Hunde der Tauchgäste zugegen waren!

Sogar unser Angsthäschen Chekotee (der sich ja bereits am Seddiner See in entspannten Hundebegegnungen geübt hatte) kam immer wieder FREIWILLIG aus dem Wohnwagen heraus, um mit bei der lustigen Schar zu sein – natürlich mit aller Skepsis und jederzeit bereit, wieder zurück in seine „Puscherl-Höhle“ zu laufen;-)

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Am meisten genossen die Hunde (und ich natürlich auch!) den herrlich klaren See, was bei der Hitzewelle sowieso die einzige Chance auf etwas Abkühlung war, zudem fanden wir stets einen ungestörten, völlig menschenleeren Platz!

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Auch für mich war das Schwimmengehen einfach, denn an vielen Stellen ragten dicke Äste oder gar Bäume weit ins Wasser hinein, sodass ich mich beim Hineingehen daran wie an einem Geländer festhalten konnte, bis das Wasser tief genug war, um mit einem „Köpfler“ ins kühle Nass zu springen;-)

Stechlinsee_'Geländer'

Hier konnte sich auch Chekotee sehr leicht entspannen und unbeschwert gemeinsam mit uns den Tag genießen – es ist ja auch soooooo angenehm, am Strand zu liegen (vor dir der See, hinter dir die Wälder!) und zwischendurch ein bissl zu dösen:-)

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Mit drei Hunden am Strand

Mit Hunden auf Reisen zu gehen, ist ein Abenteuer! Mit drei Hunden, von denen jeder „besonders“ ist, umso mehr!
LEAH, meine Assistenzhündin (in Pension): mit ihren 14-15 Jahren wahrlich uralt, herzkranke Arthrose-Schmerzpatientin, ein kleines bissl dement und seit einem halben Jahr noch dazu taub, aber – auch dank der Medikamente – immer noch guter Dinge, fit und mobil:-)
SPEEDY, mein Assistenzhund (in Ausbildung): ehemaliger Deprivations- und Angsthund, ein hochsensibler, empfindsamer und zurückhaltender B-Typ-Hund, der aufgrund seiner frühen schlechten Erfahrungen mit Leuten, die keine Ahnung vom Umgang mit Angsthunden hatten, skeptisch auf Menschen reagiert, jedoch unter Hunden ein totaler Charmeur und Herzensbrecher ist (am liebsten möchte er mit allen Hunden spielen) – aufgrund seiner Scheu vor Menschen wird er wohl niemals die staatliche Assistenzhundeprüfung absolvieren, obwohl er sämtliche Hilfsleistungen für mich perfekt und v.a. freudig erledigt … aber mir macht das nichts, ich habe ihm geholfen (und helfe ihm auch weiterhin in Situationen, die ihm zuviel sind), seine Angst vor der großen Welt zu bewältigen, er hilft mir, meinen Alltag zu bewältigen, beide sind glücklich, that´s it:-)
CHEKOTEE, mein Nesthäkchen: Deprivations- und Angsthund mit schwersten Angststörungen (v.a. hochgradiger Neophobie), vom Naturell her eigentlich ein A-Typ, jedoch aufgrund seiner massiven Deprivationsschäden und Traumata (Misshandlung!) wird er leider sein Leben lang psychosozial behindert bleiben, auch wenn seine Verhaltenstherapie äußerst positiv verläuft, extrem langsam zwar, aber stets mit Fortschritten! Er profitiert am meisten von unserer Reise, weil er – im geschützten Rahmen – immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert wird, die es gemeinsam zu bewältigen gilt; anfangs noch mit medikamentöser Unterstützung (quasi als eine Art „Polster“ zwischen ihm und der Welt, die dann nicht mehr allzu furchterregend wirkt), doch in der 3. Woche konnte ich die Medikamente ausschleichen und seit der 4. Woche braucht er gar keine mehr! So sehr er auch die Ruhe und Abgeschiedenheit unseres früheren Zuhauses im Waldviertel gebraucht hat, so essentiell war es nunmehr auch, in die Welt hinauszugehen (bei mir war es ja ähnlich) und ich bin jedesmal von Neuem erstaunt, wie großartig er sich entwickelt, ja über sich hinauswächst, bspw. spaziert er mittlerweile schon wie ein alter Camper durch die Campingplätze, vorbei an Zelten, Wohnwägen und Autos, Gebäuden und – Menschen!! Vor einem halben Jahr wäre dies alles noch gar nicht möglich gewesen für ihn, doch nun – mit dem nötigen Basisvertrauen – wächst er stetig an seinen „Aufgaben“, wird immer mutiger und gelassener … es ist so eine Riesenfreude, ihm zuzusehen, wie er immer mehr aufblüht:-) Wer hätte gedacht, dass dieser Angsthund jemals entspannt und vergnügt auf der Stranddecke am See liegt?!

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Naturpark Nuthe-Nieplitz: Chekotee´s Erfolgserlebnis im Naturparkzentrum

Nuthe-Nieplitz-Zentrum_Chekotee-im-Gras_GelberHund

Vom Seddiner See aus besuchten wir das Wildgehege Glauer Tal im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Zum allerersten Mal war Chekotee in einer öffentlichen „Parkanlage“ – alles neu, aufregend und zunächst auch furchteinflößend! Doch wir gingen´s wie immer gemächlich an: Anschauen aus sicherer Entfernung, ausgiebig Schnüffeln … auch mal Zurückgehen falls nötig …
Eingezäunte Tiergehege kennen alle meine Hunde bereits aus dem Waldviertel, da ich ihnen immer wieder Koppeln und Weiden mit Tieren gezeigt und positiv verknüpft hatte (Hühner, Gänse, Schafe, Ziegen, Esel, Pferde – und seit Neuestem auch Kühe – sind ihnen vertraut, ebenso wissen meine Doggies, dass diese Tiere in Ruhe gelassen werden wollen und man am besten einen gewissen Abstand zu ihnen hält). Gute Voraussetzungen also für ein Wildgehege – bleibt demnach „nur“ der angstmachende Faktor einer „neuen, d.h. fremden Umgebung“ …
Meine in gewohnt ruhiger Sprechweise vorgebrachten Erklärungen zu all dem Unbekannten ließen Chekotee´s Angst und auch Speedy´s Scheu immer mehr schwinden. Glücklicherweise waren an diesem Tag kaum Besucher im Naturpark: den wenigen herumspazierenden Familien wichen wir in aller Ruhe großräumig aus, sodass Chekotee nicht Gefahr lief, in Panik zu geraten, wodurch er sich zusehends immer mehr entspannte:-)
Offenbar hatte er einen ganz besonders mutigen Tag, sodass ich alle drei Hunde mit in das Naturparkzentrum (!) nahm, wo sie eine Viertelstunde lang ruhig neben mir saßen, während ich mit dem dortigen „Naturschutzkollegen“ fachsimpelte!! Speedy hielt wie immer etwas Distanz zum fremden Geschehen und beobachtete – brav sitzend – alles intensiv, Leah legte sich wie immer neben mich und nutzte die Gehpause zu einem kleinen Nickerchen, nur der verführerische Duft der Biowaren in den Regalen brachte sie zwischendurch zum Aufstehen und Hinschnüffeln – was sie früher als Assistenzhündin niemals gemacht hätte, aber jetzt ist die alte Dame ja in Pension, also außer Dienst, da nimmt sie´s nicht mehr so genau mit den Vorschriften;-)
Und Chekotee, ja unser Chekotee war unglaublich: dicht an meiner Seite spazierte er gemeinsam mit Leah und Speedy an kurzer Leine (quasi im „Dreierpack“) ins Gebäude hinein als wäre dies die selbstverständlichste Sache der Welt, setzte sich auf mein „Settle-down“-Signal direkt vor meine Füße, wo er – zwar immer wieder rundum und auch zu mir hinauf blickend – die ganze Zeit relativ entspannt blieb … ein Riesenfortschritt und beachtenswerter Meilenstein in seiner Angstgeschichte:-)
Selbstverständlich wollte ich es nicht übertreiben und beendete das interessante Gespräch lang vor den ersten Stressanzeichen, sodass alle Hunde (und ich natürlich auch!) mit Freude und Stolz hinaus in den Wildpark gingen, wo wir uns zur „Belohnung“ ein eher abgeschiedenes lauschiges Plätzchen suchten, um – ganz allein für uns – inmitten der Natur Rast machten:-)

All-3_So-erholsam-ist's-im-Naturpark!

Gestrandet am Seddiner See

Seddinersee_Titelbild

Für den 22. Juli hatten meine Berliner Freundin Arta und ich ein Treffen im Raum Potsdam vereinbart, damit ich endlich die kleine Ada kennenlerne:-) Deshalb machte ich vor meiner Reise ins Ruppiner Seenland Zwischenstation nahe Potsdam und landete bei Icanos e.V., einem alten DDR-Campingplatz mit viel Charme und Charisma, inmitten von Wäldern und direkt am Seddiner See gelegen. Unser Plätzchen war total idyllisch unter den Bäumen im Schatten:

Blick-über-Benjeshecke-zum-Puscherl
Blick über die Benjeshecke (s.u.) zum Puscherl

Beim Ankommen wurden wir sehr freundlich vom humorigen Platzwart Bernd empfangen, der auch gleich gemeinsam mit einigen herbeigeeilten Helfern (anderen Campern) das Puscherl, welches bewundernde Blicke und Worte erntete, per Hand in die richtige Position schob. Auch im weiteren Verlauf meines Aufenthalts genoss ich die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit und Offenheit der Camper [insgesamt empfinde ich „die Deutschen“ wesentlich freundlicher als „die Österreicher“ – man begrüßt einander und bleibt auch gern stehen, um ein bisschen zu plaudern, woraus sich dann nicht selten sogar längere interessante Gespräche (und sogar Musiksessions – wie mit meinen sehr sympathischen „Nachbarn“!) entwickeln … alles in allem kein Vergleich zu meiner österreichischen Heimat, wo für die meisten Dorfbewohner Grüßen ein Fremdwort ist und Beschimpfungen gar zum „normalen“ Umgangston zählen]! Hier in Deutschland jedenfalls erfahre ich durchgehend Wohlwollen und Freundlichkeit, was das alltägliche Miteinander natürlich überaus angenehm macht – tja, so fröhlich, leicht und unbeschwert kann das Leben sein:-)

Der idyllische Natur-Campingplatz bietet alles, was man zum Campen braucht (Strom, Internet, WC, Dusche, Waschmaschine usw., sogar einen Kiosk für Eis, Getränke, kleinere Imbisse etc., wo man auch seine Frühstücksweckerl – auf Deutsch: „Brötchen“ – erhält).

Als Begrenzung fungiert dort die sog. „Benjeshecke“, ein aus Naturmaterialien aufgeschichteter und natürlich „wachsender“ Zaun:

Das Herzstück ist – eh klar – der traumhaft schöne Seddiner See – in diesem extrem heißen Sommer besonders warm, aber dennoch jedesmal aufs Neue erfrischend:

Seddinersee_Blick-aus-Badebucht

Die waldumsäumten Ufer öffnen sich immer wieder zu kleineren Buchten, wo man auch mit drei Hunden ungestört am Strand liegen und schwimmen gehen kann!

Doggies-Seddinersee

Leah ist als ausgebildete Assistenzhündin sowieso die Coole, die alles gelassen mitmacht, auch Speedy wird immer souveräner im Umgang mit neuen Situationen, aber dass Chekotee schon so nervenstark ist, sich an einem völlig fremden Ort einfach auf die Decke zu legen und den Tag zu genießen, das grenzt fast an ein Wunder!!
Tja, wenn ein – verhaltenstherapeutisch gut betreuter (ein bissl darf ich mich schon loben, gel?!) – Angsthund eine Reise tut …

Chekotee-entspannt-am-Strand-mit-Leah&Speedy

Wunderschön war auch, erstmals gemeinsam mit Leah zu schwimmen:-) Sie machte zwar große Augen, als auch ich ins Wasser ging (bzw. wankte, denn ohne Orthesen ist mein Gangbild ja nicht sonderlich „gleichmäßig“) und altersbedingt schwimmt sie eh nur noch kurze Streckchen, aber die paar Meter miteinander zu schwimmen und auch noch erleben zu dürfen, wie sie freudestrahlend in meine Arme geschwommen kommt, das war unbeschreiblich beglückend – für uns beide:-) Danach hatte sie sich ihr Päuschen auf der Decke wohl verdient!

Leah-1.x-mit-mir-schwimmen-1Nicht zu vergessen: Leah nimmt auch immer ihre „Pflicht“, auf meine Orthesen aufzupassen, während ich im Wasser bin, sehr ernst – in jeder Lebens- (bzw. Liege-)lage;-)

Arta besuchte mich mit Ada am Seddiner See: die kleine Ada, echt ein süüüüüüüßes Mäderl, war ganz angetan von den Hunden und vom Spielen im Sand:-) Wir verbrachten einen wundervollen Nachmittag am Strand mit viel Reden und Lachen, nur auf´s Fotografieren haben wir – vor lauter „den Moment genießen“ – völlig vergessen …

Warum schrieb ich eigentlich „gestrandet“ im Titel? Hehehihi, weil ich beim Reversieren im Wald mit meinem schönen roten Qubo einen Baum „geküsst“ hab;-) Aber durch die verdunkelte Heckscheibe konnte ich das Bäumchen tatsächlich nicht sehen und jener modernen „Einparkautomatik“, die beim „Puscherl-Einspannen“ immer schon in höchsten Tönen schreit und quiekt, obwohl ich noch mehr als einen Meter von der Anhängevorrichtung entfernt bin, glaube ich gar nichts mehr, doch diesmal hatte sie recht, die nervtötende Piepsautomatik …
Naja, die Michendorfer ADAC-Werkstatt, welche rund um die Uhr besetzt ist, brachte Abhilfe, vor allem brachte ein Mechaniker mein Auto, das wegen der zersplitterten Heckscheibe nicht mehr verkehrstauglich war, zur Werkstatt (so richtig fesch, mein „lädierter“ Qubo auf dem Abschleppwagen, gel?!):

FiatQubo_ADAC-AbholungZufälligerweise hatte ich eine Ersatzheckscheibe unter meinen eingelagerten Sachen in Neuriegers, welche von meinen Hofnachfolgern bestens verpackt an die ADAC-Werkstatt geschickt wurde, doch dort kam sie nicht nur verspätet [meine Camping-Nachbarn freuten sich sehr über die zusätzlichen Musikjams mit mir!], sondern auch zerbrochen (!) an, weshalb ich einige weitere Tage anhängen musste, um auf eine von der Werkstatt neu bestellte Heckscheibe zu warten  – oj gewalt, noch mehr Urlaub am See … so viel Idylle, das ist ja gar nicht auszuhalten!! Meine Nachbarn witzelten übrigens bereits, was sie alles an meinem Wohnwagen kaputt machen könnten, um mich noch länger hierzubehalten, weiterhin mit mir zu musizieren und mich für´s Übersetzen jiddischer Texte „zur Hand“ haben, hihihi;-) Diese angenehm unkomplizierte Art, ins Gespräch zu kommen und sich auf intellektuell-humoriger Ebene auszutauschen, einfach so gemeinsam Musik zu machen, miteinander zu lachen und auch miteinander meditativ zu schweigen (z.B. bei der Beobachtung der Mondfinsternis nächtens am Strand) … da merkte ich erst, wie sehr mir das v.a. in letzter Zeit im stumpfen Waldviertel gefehlt hatte!
Jedenfalls waren diese 9 Tage eine sehr, sehr schöne, entspannte, köstliche und amüsante Zeit – nicht nur für mich, sondern auch für die Doggies, insbes. die Youngsterboys, welche ebenso einige neue Freunde dazu gewannen:-)

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Unser Platz: als „Hundechefin“ bewacht Leah „ihr“ Revier, im Türspalt ist Chekotee zu erkennen und Speedy´s Kopf lässt sich am Seitenfenster erahnen

Wild Camping

Es kann schon mal passieren, dass man sich beim vielen Herumfahren und -schauen im Timing vertut und dann nicht bis zum vorher angedachten Campingplatz kommt, doch da geht auch die Welt nicht unter (es muss ja nicht immer alles gänzlich durchgeplant sein – genau das ist ja das Tolle beim Wohnwagen: spontan irgendwo zu bleiben, wo´s einem gefällt und dabei nicht einmal auf gewissen persönlichen Komfort verzichten zu müssen)! Und so verschlug es die Doggies und mich nach Sperenberg, wo es laut Stellplatzführer einen geeigneten Wohnwagenstellplatz geben sollte (Hunde erlaubt, Dusche, WLAN), doch (wieder einmal) waren die Infos falsch (keine Hunde, keine Dusche, kein WLAN) und der Stellplatzbetreiber lotste mich nach Zesch am See, wo wir angeblich sicher ein Plätzchen finden würden – mittlerweile war´s schon weit nach 21h abends, die Hunde waren hungrig, da sie normalerweise zwischen 20h und 21h ihr üppiges Nachtmahl bekommen, und dementsprechend gelaunt (zugegeben: ich auch – sowohl das eine als auch das andere), hehe;-)
Im Campingführer hatte ich bereits über den Campingplatz in Zesch am See erfahren, dies sei der älteste Platz weit und breit, außerdem ein „Märchen-Campingplatz“ … naja, alt ist noch untertrieben, urururalt würd´s vielleicht eher treffen, was ja eh nichts ausmacht, wenn das Gelände und die Bauten nicht dermaßen arg heruntergekommen wären! Selbst die namensgebenden Märchenfiguren hatten eindeutig etwas Pflege und Reparatur nötig! Jedenfalls traf ich dort niemanden an (die paar Gestalten, die draußen irgendwas herumhantierten, taten so als würden sie mich gar nicht bemerken und im nächsten Augenblick waren sie auf einmal wie von Zauberhand verschwunden)! Es wirkte irgendwie surreal – vielleicht doch ein Paralleluniversum?!?!
Wie dem auch sei, diese Situation war nicht geeignet, unsere Laune zu heben, also tat ich das, was eine alte Camperin eben tut: „wild“ campen – Wälder und Wiesen gab´s ja im Überfluss, weshalb wir uns ein feines Plätzchen abseits der (sowieso kaum befahrenen) Straße auserkoren und v.a. endlich unseren „Mordshunger“ stillten.
Eben wollten wir unseren Nachtspaziergang antreten (ich mit Stirnlampe und die Hunde mit reflektorischen Halsbändern, eh klar), kam ein Auto den Feldweg entlang und blieb bei uns stehen, eine fröhliche Männerstimme rief uns zu, nicht zu erschrecken, er sei bloß der Jäger und müsse ein wenig die Füchse vertreiben, glücklicherweise war er einer der netten Sorte und betonte, Übernachten im Wohnwagen sei hier überhaupt kein Problem! Mit Gute-Nacht-Wünschen verschwand er in der Dunkelheiten und wir setzten unseren Spaziergang frohgemut fort. Eine halbe Stunde später trafen wir einander wieder: der Jäger kletterte vom Hochsitz runter und meinte in spaßigem Tonfall, wenn er gewusst hätte, dass ich mit den Hunden da bin und seine Arbeit bezüglich der Füchse übernehme, hätte er gleich zuhause bleiben können. Nicht um ein Späßchen verlegen, wünschte ich ihm einen angenehmen „freien“ Abend und wir verabschiedeten uns amüsiert voneinander! Ich hätte die Gelegenheit nutzen können, mich mit ihm (wie mit dem Förster im Dammer Moor) über die regionalen Wölfe zu unterhalten, aber es war ein anstrengender Tag gewesen und ich war müde, also ließ ich es bleiben – doch wenigstens (welch eine Ironie!) war dieser Jäger der einzige freundliche Mensch, den ich in der gesamten Gegend getroffen hatte!

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