Pflegekätzchen – dritter bis fünfter Tag

Trinken und schlafen, schlafen und trinken, trinken und schlafen …

Nachtrag vom Juli 2019

Die Katzenbabys werden unermüdlich und liebevoll von ihrer Mami umsorgt. Trotz ihrer eigenen Jugend ist sie eine vorbildliche Katzenmama. Es ist so wundervoll, ihr zuzuschauen, wie sie instinktiv alles, aber auch wirklich alles richtig macht. Darum wachsen und gedeihen ihre Kitten auch so prächtig! Obzwar die nachgeburtliche Entwicklungsphase in erster Linie mit Saugen und Schlafen einhergeht, merkt man Tag für Tag mehr Bewegung und Beweglichkeit, außerdem zeichnen sich bereits gewisse „Charakterköpfe“ ab;-)

Das ganz schwarze Kätzchen, von Anfang an das größte Baby, scheint völlig „cool“ zu sein: während sich die anderen beim „Milchtreteln“ abstrampeln, liegt es gemütlich eingerollt da und schläft … und schläft … und schläft …

Aber wenn es mal aufwacht und bemerkt, dass da außer Schlafen noch etwas ist, dann steuert es beharrlich und zielgerichtet die Milchquelle an – wer ihm im Weg ist, hat Pech gehabt … Platz da, denn jetzt kommt Bärli;-)

Zurzeit haben die Kitten anhand typischer Unterscheidungsmerkmale erst eine Art „Erkennungsnamen“ (wenn sie dann größer sind, bekommen sie natürlich „richtige“ Namen): das getigerte Baby heißt „Tigerchen“, das eine schwarzweiße mit den weißen Backen und den weißen Hörnern neben der Nase „Hörnchen“, das andere schwarzweiße, welches nur weiße Backen hat, „Bäckchen“ und schließlich das schwarze „Bärli“, weil es wie ein süßes Teddybärchen aussieht!

Übrigens hat Bärli heute – am 5. Tag (!) – einen wahren Marathonlauf absolviert: das kleine Kerlchen ist wohl hungrig erwacht und wollte sich, wie sonst halt auch, sofort zur mütterlichen Milchbar wälzen, doch Mama war nicht in der Wurfkiste, sondern hatte es sich etwas abseits ihrer „Viererbande“ im frisch eingestreuten Katzenkistl gemütlich gemacht.
Und Bärli robbte und kletterte und schob sein kleines Körperchen über alle Hindernisse die weite Strecke bis zur Mami ins Katzenklo! Sensationell!

Aber auch Tigerchen war wieder mal nicht zu bremsen – das winzige Leichtgewicht (148 Gramm) ist im Wachzustand ständig auf Achse, jedoch nicht unbedingt um zu trinken, sondern einfach nur so „on move“ (auch beim Abwiegen war es das einzige Kätzchen, welches sich wie ein Zappelphilipp aufführte und zudem noch fiepte, was natürlich die Mamakatze sofort in Alarmbereitschaft versetzte, hingegen merkte auch sie bald, dass alles „nur Show“ war)!

Irgendwann schließlich war sogar Tigerchen erschöpft vom ewigen Herumturnen, machte es den anderen nach und kuschelte sich wie Hörnchen ganz eng an seine Mami, schnurr-schnurr:-) 

Pflegekatzen – schon vor der Vereinsgründung

Tierschutz-Notfall: Eine sehr hübsche und sehr junge Katze bringt vier gesunde Kitten zur Welt – von Mirjam Silber und ihrem erst in Planung befindlichen Verein Schlaubetal-Caniden e.V. wird die Katzenfamilie in Pflege genommen.

Nachtrag vom Juli 2019

Pflegekätzchen – erster und zweiter Tag

In der Nacht vom 19. zum 20. Juli 2019 brachte die tapfere Katzenmami – selbst noch ganz jung – vier gesunde Kitten zur Welt: eines graugetigert wie sie, die drei anderen schwarz mit weißen Flecken. Als Geburtshelfer waren Feriengäste der Bungalowanlage „Zur Jagdhütte“ am Chossewitzer See tätig, denn das hübsche, verschmuste Kätzchen war bereits im Mai dort zugelaufen und seither „Dauergast“. Doch für die junge Familie wird es in einer Ferienbungalowanlage viel zu turbulent (noch dazu wären die Kleinen leckere Appetithappen für Fuchs & Co.), weshalb meine Freundin Monika Jung, die Betreiberin und Köchin der „Jagdhütte“, mich verständigte, denn sie weiß ja, dass ich auch Pflegetiere betreue.
Und so kam es, dass der Verein schon VOR seiner Gründung (welche ja erst im Januar 2020 stattfinden sollte) – noch dazu mitten im Umzugschaos – die ersten Pflegekinder aufnahm …

Zunächst, weil ja all meine Katzensachen mitsamt meinen beiden Katzen Castor und Pollux in Österreich verblieben sind, brachte ich die junge Katzenfamilie im Stall unter. Am zweiten Tag aber konnte ich die Kätzchen mithilfe meiner neuen Henzendorfer Freundin, Ute Schwetschke, die mich gleich mit einer  Katzengrundausstattung versorgte (danke, liebe Ute!), ins Haus übersiedeln, wo sie vorerst im Gästebad ihr sauberes, ruhiges und geschütztes Domizil haben. Wenn die Babies dann mobil werden, können sie ins Beratungszimmer umziehen, welches ich bis dahin katzengerecht gestalte.

Da es sich um eine sehr zutrauliche, zärtliche und gepflegte Katze handelt, liegt die Vermutung nahe, dass sie früher ein Zuhause hatte, von dem sie entweder weglief oder – wie ich es in meiner Tierschutzarbeit leider immer wieder erlebe – wegen ihrer Trächtigkeit ausgesetzt wurde. Es gibt auch heute noch Leute, die nicht bereit sind, die Verantwortung und Kosten für eine prophylaktische Kastration bzw. für Babykätzchen zu tragen! Was für eine Schande!

Dabei ist diese junge Katzenmami ganz besonders fürsorglich und liebevoll mit ihren Babies, nicht nur stillt und säubert sie ihre vier Winzlinge hingebungsvoll, sondern hält auch die Wurfkiste rein und geht brav auf´s Katzenklo – quasi eine „Einserschülerin“! Sie frisst und trinkt mit großem Appetit, sodass alle einen hervorragenden Eindruck machen!

Insbesondere das kleine Tigerchen ist hochaktiv: gestern noch das magerste Kätzchen, krabbelt (bzw. robbt) es heute – am zweiten Tag – schon mit seinem wohlgefüllten Bäuchlein herum, natürlich immer auf der Suche nach einer Andockstelle an der „Milchbar“ – am Ohr der Mami vielleicht?! Die Kätzin selbst lässt alles geduldig geschehen, nur ihr Gesichtsausdruck spricht Bände, v.a. da, wo das Tigerchen nochmals falsch abbiegt (ein köstlicher Augenaufschlag von Mami!), bevor es endlich angekommen ist – ups, nein, doch noch nicht ganz, da hat es seine Mami „gezwickt“, aber gleich drauf liegt es richtig. Von nun an ist nur noch Schmatzen und Schnurren zu hören, bis schließlich alle zufrieden einschlafen …

Tierschutzhunde als Assistenzhunde?

Als Assistenzhundetrainerin im Verein Schlaubetal-Caniden e.V. verfüge ich über jahrelange Erfahrung in der erfolgreichen Ausbildung von Tierschutzhunden zu Assistenzhunden …

Tierschutzhunde als Assistenzhunde?
Warum nicht?! Es gibt so unglaublich viele Hunde im Tierschutz (in Tierheimen, auf Gnadenhöfen, bei Pflegestellen usw.), dass wir im Grunde genommen überhaupt keine „Rassehunde“ mehr zu züchten bräuchten! Natürlich eignet sich nicht jeder Tierschutzhund zum Assistenzhund (was übrigens bei den „Rassehunden“ genauso wenig der Fall ist), aber in jedem schlummern irgendwelche Talente – und sei´s „nur“, besonders kuschelig zu sein;-)

Neben seriösen Privatpersonen, Vereinen und Organisationen tummeln sich im Tierschutz allerhand seltsame Gestalten, die beileibe nicht immer das Wohl der Tiere im Auge haben, was mit ein Grund ist, warum Tierschutz dermaßen polarisiert. Doch ob man nun Tierschutzfreundin ist oder Tierschutzgegner – meiner Meinung nach ist es niederträchtig, gemein und verbrecherisch, wie Menschen mit Tieren (mit der Natur im Allgemeinen) umgehen und wie durch Geldgier und Gewinnstreben „gerechtfertigt“ wird, Tiere auszubeuten, zu quälen und zu töten! Wobei ich als Vegetarierin denke, wenn wir schon „Nutztiere“ halten, sollten wir ihnen im Gegenzug zumindest ein möglichst artgerechtes Leben zugestehen! Auch das Tierschutzgesetz ist in meinen Augen nichts, worauf „der Mensch“ stolz sein kann – da gibt es noch sehr, sehr viel zu tun …

Jedenfalls – nachdem ich mich hier nun für´s erste positioniert hab – weiß ich aus langjähriger Erfahrung, dass Tiere aus dem Tierschutz mit Sicherheit keine zweitklassigen Lebewesen sind (wie sie von vielen vorurteilsbehafteten Menschen angesehen werden), ganz im Gegenteil: wenn, dann ist es der Mensch, der sich letztklassig verhält. Oder ist es etwa „human“, unsere sog. „landwirtschaftlichen Nutztiere“ auf engstem Raum zusammenzupferchen, sie tagaus tagein anzuketten und sie ihr kurzes, erbärmliches Leben über niemals ins Freie, niemals ans Sonnenlicht und niemals auf eine Weide zu lassen? Ist es denn „human“, wenn sog. „Vermehrer“ Hündinnen als „Gebärmaschinen“ missbrauchen und massenweise Hunde produzieren, um aus solchen „Qualzuchten“, denen unzählige deprivierte, kränkelnde, stressanfällige, verunsicherte und verängstigte, also gehandicapte Hunde entstammen, Profit zu schlagen? Wer – um in der gängigen (ab)wertenden Terminologie zu bleiben – ist hier das „Tier“?!

Solange es Menschen gibt, die Tiere wie Wegwerfartikel behandeln und sie irgendwo aussetzen, wenn sie ihnen „lästig“ werden, die Hunde mit überholten, ja vorsintflutlichen autoritären und gewalttägigen Methoden „abrichten“ oder – das andere Extrem – vermenschlichen, zu Kind-/Partnerersatz, Modepüppchen, Prestigeobjekten und anderen Kuriositäten stilisieren, so lange sind kompetente Tierschützer*innen nötig, um Tiere zu retten, zu pflegen und zu betreuen, um Aufklärungsarbeit zu leisten – um die Welt ein bisschen besser zu machen. Wobei die Betonung auf „kompetent“ liegt: Tierliebe allein macht noch keinen Tierschutz aus – ein Herz für Tiere zu haben, einfühlsam, fürsorglich und geduldig zu sein, das sind notwendige Voraussetzungen. Aber erst in Kombination mit Fachwissen entsteht daraus profunder und nachhaltiger Tierschutz: verständnisvoll [sic! „Verstand“] und liebevoll. 

Auf diese ganzheitliche Weise wurden aus zwei ehemaligen Wiener Straßen- und Tierheimhunden nicht nur Therapiehunde, sondern sogar Servicehunde! Ohne Leah und Gizmo hätte ich mein „neues“ Leben mit Körperbehinderung bei weitem nicht so gut zu bewältigen gelernt und auch längst nicht so viel Zuversicht, Energie und Freude gewonnen. Dank dieser beiden Tierschutzhunde ist/war mein Alltag bunt, fröhlich, sonnig und erfüllt mit Spiel und Spaß, Vertrautheit und Verbundenheit, Zärtlichkeit, Liebe, Harmonie und Glück:-) Ich danke Euch von ganzem Herzen!

PS: Ich widme diesen Assistenzhunde-Blog meiner am 19. Oktober 2018 im hohen Alter von über 15 Jahren verstorbenen Labradorhündin Leah, mit der mich eine ganz, ganz besonders innige und tiefe Beziehung verband. Sie war meine allererste Servicehündin (natürlich aus dem Tierschutz) – zwar die letzten Jahren „in Rente“, aber immer noch hilfsbereit, einfühlsam, aufmerksam, mit Elan und Freude überall dabei und beim Kuscheln anschmiegsam wie eine Katze! Auch wenn sie naturgemäß als „Old Lady“ mehr Ruhepausen brauchte, nicht mehr ganz so gut sah, komplett taub war, Arthrose und Herzrhythmusstörungen hatte, dazu noch Demenzerscheinungen zeigte (selbstverständlich wurde sie rundum medizinisch, naturheilkundlich und rehabilitativ versorgt) … sie war meine über alles geliebte Seelenfreundin:-)

„TV-Superhunde“ sind KEINE Assistenzhunde

Kritische Anmerkungen zur 2018 im TV gelaufenen Docutainment-Serie „Projekt Superhund“ in SAT 1 …

Offener Brief an die SAT1-Redaktion

Kritische Anmerkungen zur SAT1-Sendereihe PROJEKT SUPERHUND

Grundsätzlich finde ich es gut und wichtig, wenn in den Medien mehr über Menschen mit Behinderung und Assistenzhunde, über Tierschutz und Tierschutzhunde berichtet wird, von mir aus auch im Docutainment-Format. Trotzdem sollte es mit Verstand gemacht sein – doch genau daran mangelt es leider der SAT1-Sendereihe „Projekt Superhund“ …

Selbst schwer körperbehindert, bin ich als Gründerin und Leiterin des gemeinnützigen Vereins „Helping Dogs: Hunde helfen Menschen – Menschen helfen Hunden“ die Erste in ganz Österreich (soweit ich weiß, auch die Einzige), die dezidiert Tierschutzhunde zu Assistenzhunden ausbildet. Außerdem absolvierte ich in Wien (ebenfalls als Erste mit Tierheimhunden) bereits 2010/11 mit meinen beiden heutigen Servicehund-Oldies eine Therapiehundeausbildung und war jahrelang mit ihnen bei Kindern und Jugendlichen in Form hundegestützter Pädagogik tätig. So gesehen bringe ich doch einige Erfahrung in dieser Thematik mit. Als aktive Tierschützerin und Tierrechtlerin ist es mir natürlich ein großes Anliegen, Tierschutzhunden zu einem besseren Leben zu verhelfen, was aber keineswegs heißt, dass jeder Hund aus dem Tierschutz ein „Arbeitshund“ (in diesem Fall Assistenzhund) werden soll, das funktioniert nämlich nicht, denn nur die wenigsten sind dazu tatsächlich geeignet – abgesehen davon ist auch unter den Zucht- bzw. Rassehunden nicht jeder zum „Dog with Job“ prädestiniert! Das macht aber gar nichts, denn es darf auch einfach „nur“ Familienhunde geben!

Hätten Sie sich ernsthaft mit dem Thema Assistenzhunde auseinandergesetzt, wäre diese Sendereihe wohl in der Tat zur sinnvollen Wissensvermittlung geworden. Vielleicht wollten Sie tatsächlich etwas Gutes tun, aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht! Offenbar verkennen Sie die Problematik total: „Projekt Superhund“ trägt nicht zur Sensibilisierung für die problematische, ja katastrophale Situation von Tierschutzhunden und schon gar nicht zur Aufklärung über Assistenzhunde bei – im Gegenteil: es werden Familien-, Begleit-, Haushaltshilfe-, Therapie- und Assistenzhunde in einen Topf geworfen und den Leuten wird vorgegaukelt, dass es eigentlich ganz einfach ist, einen Assistenzhund „auszubilden“ (wir nehmen halt so ein armes Hascherl aus dem Tierheim, bringen ihm innerhalb weniger Wochen ein paar „Handgriffe“ bei und fertig ist der „Assistenzhund“)! Dabei dauert eine echte, profunde und nachhaltige Assistenzhundeausbildung aus gutem Grund zwei Jahre (oder noch länger), weil es nämlich nicht nur auf das Lernen von Tricks ankommt, sondern v.a. auf Alltagstauglichkeit, Verlässlichkeit und Souveränität in jeder Situation. Und dafür müssen selbst wesensfeste Hunde sehr, sehr viel üben … wie viel mehr dann erst Tierschutzhunde, die meist nicht von vornherein über ein solch hohes Maß an Umweltsicherheit und Gelassenheit verfügen. Nicht umsonst gibt es (zumindest in Österreich seit 2015) extrem strenge Auswahl- und Prüfungskriterien, die nicht nur dem Schutz des Hundes, sondern auch dem des behinderten Menschen dienen. Sendungen wie „Projekt Superhund“ erschweren die gesellschaftspolitische Bewusstseinsbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die wir als (größtenteils ehrenamtlich tätige) BehindertenvertreterInnen leisten!

Ich frage mich, warum recherchieren ProgrammleiterInnen nicht, bevor sie etwas drehen? Geben Sie beispielsweise „Assistenzhunde & Tierschutz“ in die Internet-Suchmaschine ein und an erster Stelle erscheint (ohne mich hier in den Vordergrund drängen zu wollen) mein Verein „Helping Dogs“ – zudem gibt es weitere seriöse und kompetente Institutionen, die über langjährige Erfahrung in der Assistenzhundeausbildung verfügen. Insofern hätte man doch vielleicht zuerst bei ExpertInnen nachfragen können! In Österreich existiert immerhin schon seit Anfang 2015 ein bundesweit einheitliches Gesetz zur staatlichen Prüfung für Assistenzhunde – ein solches wird von engagierten Betroffenen auch in Deutschland angestrebt, denn zurzeit ist es dort noch so, dass jeder X-Beliebige seinem Hund ein bedrucktes Mäntelchen umbinden und ihn Assistenzhund nennen darf. Es gibt keine gesetzlichen Regelungen für die Ausbildung und den Verkauf von Assistenzhunden, d.h. jeder kann sich Assistenzhundetrainer nennen und an „oh, diese bedauernswerten Behinderten“ um gutes Geld schlecht geschulte „Assistenzhunde“ (oder eben „Superhunde“) verscherbeln. Doch genau jene minder qualifizierten Hunde bereiten letztlich nicht nur ihren HalterInnen Sorgen (im schlimmsten Fall bringen sie diese sogar in Lebensgefahr!), sondern sie beschädigen mit ihrem unangebrachten Benehmen das Renommee von wirklichen Assistenzhunden (wobei zu betonen ist, dass die Hunde gar nichts dafür können, schuld sind immer die Menschen). Das ist einer der Gründe, warum viele Behinderte trotz echter, gut ausgebildeter Assistenzhunde häufig Missbilligung und Ablehnung erfahren, wenn sie ihre Zutrittsrechte für Geschäfte und andere Gebäude des öffentlichen Lebens wahrnehmen wollen.

HIER hätten Sie im Sinne Ihres Bildungsauftrags ein publikumswirksames Zeichen setzen sollen – damit Menschen mit Behinderung nicht weiterhin ausgegrenzt, ignoriert, belästigt oder gar bedroht werden! Denn diskriminiert, an den Rand bzw. ganz weg geschoben und „vergessen“ zu werden, das prägt unser Alltagsleben als Behinderte: entweder sind wir die „Armutschkerl“, denen man nicht viel zutraut und die man herablassend behandelt (wie es leider die SuperhundetrainerInnen in Ihrer Sendereihe immer und immer wieder völlig ohne jede Empathie tun!) oder wir sind den anderen wegen unserer besonderen Bedürfnisse, die nicht in deren gewohntes Denkschema passen, unangenehm und lästig. Warum thematisieren Sie nicht das?! Ist wohl nicht unterhaltsam, heimelig und gemütlich genug …

Durch die SAT1-Superhund-Sendungen entsteht in der öffentlichen Wahrnehmung ein verzerrtes Bild – das genaue Gegenteil von dem, wofür BehindertenvertreterInnen und TierschützerInnen seit langem kämpfen. Obzwar es vielleicht gar nicht Ihre Intention war, Assistenzhunde zu zeigen, tun Sie dennoch akkurat das: dem Publikum wird vermittelt, wie Hunde Hilfsleistungen für Menschen mit Behinderung, d.h. Assistenzhundeeinsätze erbringen, nachdem diese Hunde – egal ob verstört oder ängstlich – aus dem Tierheim „gerettet“ („Armutschkerl-Hunde“ für „Armutschkerl-Behinderte“) und innerhalb kürzester Zeit zum „Fulltime-Assistent“ gekürt wurden – egal ob sich der Hund tatsächlich dafür eignet oder das Hilfsmaßnahmenpaket bzw. die jeweilige Situation auch für den Hund passt. Denn das ist – v.a. aus Tierschutzgründen – festzuhalten: Ihre beiden SuperhundetrainerInnen zeigen nämlich nicht nur im Umgang mit behinderten Menschen unfassbar wenig Einfühlungsvermögen, sondern sie begegnen vielfach auch den Tierschutzhunden völlig respektlos, indem sie immer wieder deren (Individual-)Grenzen überschreiten und deren Calming Signals missachten, weil sie offenbar nicht imstande (oder nicht willens) sind, die Hunde-Körpersprache zu beachten. Gerade bei Tierschutzhunden bedarf es viel, viel mehr an Behutsamkeit (wozu übrigens auch der modulierte Einsatz der menschlichen Stimme zählt), um die Tiere nicht zu überfordern und damit erst recht in Stress zu versetzen. Dies scheint den TrainerInnen hingegen nicht geläufig zu sein – Hauptsache, die Hunde „funktionieren“ irgendwie! Doch ein Assistenzhund (sei er nun mehr oder weniger gut ausgebildet) ist weder ein „Bediensteter“ noch ein Hilfsmittel wie ein Rollstuhl oder Rollator, das man, wenn man es nicht braucht, zur Seite stellt, sondern ein fühlendes und denkendes Lebewesen, welches man mit Zuneigung, Verständnis, Achtung und Respekt zu behandeln hat, denn nur auf dieser Basis kann sich eine für beide Seiten wertvolle Beziehung entwickeln.

Natürlich ist es wunderbar, wenn Tierschutzhunde ein neues Zuhause bekommen, aber ein echter Fortschritt wäre, wenn erst gar nicht so viele Hunde im Tierheim landen würden! Außerdem ist Tierschutz nicht gleich Tierschutz, denn all die sogenannten „TierschützerInnen“, die nur durch ihre Gefühle für die „ach so armen Tiere“ motiviert sind (also bloß emotionalen Tierschutz ohne Hirn und Verstand betreiben), machen erfahrungsgemäß häufig mehr kaputt an den Tieren als sie ihnen Gutes tun – ohne fundiertes Wissen um Entwicklungsphasen, Kommunikation, Verhalten etc. ist wirklich hilfreicher, eben wissenschaftsbasierter Tierschutz nicht möglich. Natürlich gehört das Herz mit dazu, aber Mitgefühl allein ist zu wenig: Tierliebe macht noch keinen Tierschutz aus – ein Herz für Tiere zu haben, einfühlsam, fürsorglich und geduldig zu sein, das sind notwendige Voraussetzungen. Aber erst in Kombination mit Fachwissen entsteht daraus kompetenter Tierschutz.

Hingegen niveaulose TV-Hundesendungen, die veraltete, gar gewalttätige Erziehungsmethoden und unqualifizierte TrainerInnen zur Schau stellen, gibt es ja zuhauf – solche „Docutainments“ werden medienwirksam vermarktet, um möglichst hohe Einschaltquoten zu generieren. Leider halten viele Leute das, was sie im „Fun-TV“ sehen, für der Weisheit letzten Schluss, weil sie sonst nichts anderes kennen, z.B. wissenschaftliche Bücher oder Dokumentarfilme, um sich echtes Wissen anzueignen (tja, das ist auch nicht so bequem wie vor der Glotze zu lümmeln)! Eben daher kommt es, dass immer noch unglaublich viele Leute denken, man müsse einen Hund „abrichten“, ihm die „Dominanz austreiben“, sein „Rudelführer“ sein und all die anderen haarsträubenden, sogar brutalen vorgestrigen Anschauungen zum Thema Hundeerziehung!

Ich denke, DA müssten wir, müsste das Fernsehen ansetzen: Aufklärung, Aufklärung und wieder Aufklärung! Ach, was könnten Sie nicht alles tun bei der Reichweite, die ein Sender wie SAT 1 hat!

In Deutschland wäre es wichtig, ein Bundesgesetz à la Österreich zu implementieren, das standardisierte Richtlinien für die Auswahl, Ausbildung und Prüfung von Assistenzhunden festlegt. Solange kein allgemeingültiger Kriterienkatalog und keine staatliche Prüfung existiert, wird es in der deutschen Assistenzhundeszene weiterhin unredliche Geschäftemacherei und betrügerische Kundenfängerei geben … und v.a. selbsternannte, mangelhaft ausgebildete „Assistenzhunde“ bzw. „Superhunde“! Sind Sie von SAT 1 denn stolz darauf, solch ein System auch noch zu fördern?!

Behinderte Menschen (mit oder ohne Assistenzhunde) und ihre Interessenvertretungen, Tierschutzverbände und Tierethikkommissionen … wir alle treten unermüdlich für eine Verbesserung der Lebensqualität ein – bei Mensch und Tier. Leider haben wir nur allzu oft das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen …

Schließen Sie sich doch diesen Engagements an und helfen Sie so mit, die Welt ein Stückchen besser zu machen!

© Mirjam Silber 2018